Susanne Hörth
Eine Katze gehört nicht ins Bett, ein Hund noch viel weniger. Das stimmt. Also theoretisch. Praktisch stimmt es vor allem für jene, die weder Hund noch Katze besitzen. Und für jene, die Hund oder Katze oder gar beides haben, stimmt es eigentlich auch. ...
Susanne Hörth
Eine Katze gehört nicht ins Bett, ein Hund noch viel weniger. Das stimmt. Also theoretisch. Praktisch stimmt es vor allem für jene, die weder Hund noch Katze besitzen. Und für jene, die Hund oder Katze oder gar beides haben, stimmt es eigentlich auch. Eigentlich.
Mein Mann und ich nahmen vor Jahren an einem mehrtägigen Hundeseminar teil. Mit uns: zahlreiche Frauchen und Herrchen und insgesamt 16 Irish- und Gordon-Setter – also 16 elegante, langbeinige Gründe, warum man sich über klare Regeln im Zusammenleben Gedanken machen sollte.
Am ersten Tag lernten wir Wichtiges: Grenzen seien essenziell. Der Mensch sei Mensch, der Hund sei Hund. Und der Schlafplatz des Vierbeiners sei selbstverständlich im Hundekörbchen. Oder bei Settern besser: in den Hundekörben. Plural. Gross, weich, teuer.
Dann kam die Nacht. Eine dieser Nächte, in denen die Temperaturen plötzlich beschliessen, in den Keller zu fallen. Am nächsten Morgen strahlte eine Teilnehmerin übers ganze Gesicht: «Wow, war ich froh, dass meine Hündin bei mir im Bett geschlafen hat. So schön warm!»
Es folgte eine kurze, betretene Stille. Die Art Stille, in der alle gleichzeitig überlegen, ob sie jetzt ehrlich sein sollen. Dann ein Grinsen hier, ein Nicken dort – und plötzlich war klar: Bis auf einen einzigen Hund hatten alle Vierbeiner im Bett geschlafen. Und zwar nicht am Rand, sondern so, dass mindestens ein Mensch an die Grenze der Matratze gedrückt wurde. Manche sogar darüber hinaus.
Am Vortag hatten wir noch überzeugt behauptet, unsere Hunde hätten selbstverständlich ihren festen Schlafplatz. Wir seien konsequent. Wir hätten das im Griff. In Wahrheit hatten wir gar nichts im Griff – ausser vielleicht eine Hundepfote, die sich nachts quer über unser Gesicht gelegt hatte.
Und so lernten wir an diesem Seminar zwei Dinge: Erstens: Grenzen sind wichtig. Zweitens: Hunde kennen Grenzen. Sie ignorieren sie einfach.