«Der Bevölkerung etwas zurückgeben»

  27.12.2020 Gipf-Oberfrick

Simone Rufli

Sie unterhalten die Bänkli und pflegen den Geranienschmuck und wenn die Tage kürzer werden und die Nächte dunkler und Weihnachten naht, holen die Frauen des Verschönerungsvereins Gipf-Oberfrick den Stall und die Figuren aus dem Lager und richten am Sägeweg die Weihnachtskrippe her.

Die Krippe des Verschönerungsvereins Gipf-Oberfrick (VGO) ist Teil der vom Kultusverein organisierten Adventsfenster. Dass die Weihnachtskrippe gleich das erste Fenster ist, ist kein Zufall. «Es war unser Wunsch, so kann sich die Bevölkerung vom 1. Dezember bis zum Dreikönigstag am 6. Januar an der Krippe erfreuen», erklärt Gabi Hinden vom Verschönerungsverein. Lieber als den strömenden Regen, der an diesem Nachmittag über Gipf-Oberfrick niedergegangen ist, sähe Gabi Hinden den Schneeflocken zu, wie sie die weihnachtliche Szenerie in sanftes Weiss kleiden würden.

Wenn auch der Schnee noch etwas auf sich warten lässt, ein erstes Weihnachtsgeschenk durften die Frauen des VGO lange vor dem heutigen Heiligabend bereits entgegennehmen. Josef und Monica Habermacher aus Gipf-Oberfrick waren von der Idee mit den Holzfiguren so angetan, dass sie die Kosten für deren Anfertigung übernahmen. Eine grosszügige Geste, mit der niemand beim VGO gerechnet habe, wie Gabi Hinden voller Dankbarkeit bemerkt. Vielmehr war es die Absicht, die neuen Figuren mit dem Geld aus dem Vereinskässeli zu bezahlen. Jeweils Ende November verschickt der VGO einen Spendenbrief und bittet darin um eine Geldspende. «Weil das Kässeli im Verlauf der Zeit ganz schön voll geworden ist, wollten wir der Bevölkerung zum Dank etwas Bleibendes retourgeben. Und so entstand die Idee, Holzfiguren für die Krippe anfertigen zu lassen», erzählt Gabi Hinden.

Sowohl das Holz als auch der Künstler sollten aus der Region stammen, so die Vorstellung der Frauen. Franz Böller, Skulpturenkünstler aus Wölf linswil, wurde angefragt und liess sich spontan für die Idee begeistern. Doch bevor er sich – zuerst auf dem Kornberg, später daheim in Wölflinswil – mit der Motorsäge und viel Feingefühl ans Werk machen konnte, musste ein passender Baum gefunden werden. Und wieder wurden die Frauen des VGO beschenkt. Diesmal von Bethli und Franz Schmid aus Gipf-Oberfrick. Sie spendeten den Mammutbaum, der einst vor ihrem Hof stand – kein einheimischer Baum zwar, aber im Dorf lange Zeit fest verwurzelt und mit einem Durchmesser von rund 70 Zentimetern perfekt geeignet für Franz Böllers Arbeit. «Der mächtige Stamm dieses Mammutbaums hat gereicht, um Josef, Maria und das Jesuskind daraus zu sägen», freut sich Gabi Hinden und erzählt, dass der Baum bereits gefällt war und der Stamm auf einem Hackholzhaufen auf seine Weiterverarbeitung gewartet habe.

Zusammen mit den Drei Königen aus Metall, die Eisenkünstler Daniel Schwarz aus Effingen vor Jahren angefertigt hat, einem Engel und zwei kleinen, äusserst lebendigen Schafböcken, wartet die Weihnachtskrippe auf die Besucher. Nicht immer, so erzählt man sich im Dorf, seien die Nächte so still und heilig. Manchmal hört man wie die Schafböcke im Streit die Hörner gegeneinanderschlagen.


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