Trockenheit führte zu mehr Fallobst

Fr, 23. Okt. 2020
Markanter Birnbaum: Früchte werden oftmals nicht mehr geerntet. Fotos: Paul Roppel

Frühe, lange und gute Mostapfelernte

Bleibt das Obst an den Hochstammbäumen in diesem Jahr vermehrt hängen? Dieser Eindruck könnte entstehen, denn die Ernte startete zwar zwei Wochen früher als üblich, dauert jedoch dank des üppigen Behangs noch länger an.

Paul Roppel

Das herrliche Herbstwetter und die Coronapandemie aktivieren die Leute offensichtlich mehr zu Spaziergängen und Wanderungen durch Flur, Wiesen und Aecker, wo Beobachtungen zu Fragen Anlass geben. So fallen meist dominant riesige und Jahrzehnte alte Hochstammbäume auf, deren Äste unter der gewaltigen Fülle an Früchtebehang fast brechen und unter denen eine erstaunlich grosse Menge an Fallobst verrottet. Für Heerscharen von Wespen, Fliegen und insbesondere Hornissen, welche die süssen Früchte förmlich aushöhlen; ein Tischlein-deck-dich von paradiesischer Dimension.

Werden die Äpfel und Birnen von den Hochstammbäumen in diesem Jahr nicht geerntet? «Im Gegenteil – wir haben alle Hände voll zu tun. Die Ernte hat wegen der guten Wetterbedingungen zwei Wochen früher als üblich begonnen und dauert sicher noch bis Ende Oktober an», verrät Zita Burkart vom Hof zur Kürze unterhalb der Mumpferf luh in Obermumpf der NFZ. «Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir nur einmal unsere Mostpresse in Betrieb genommen hatten, ist sie in diesem Jahr schon fünfmal gelaufen», doppelt Hansruedi Burkart nach, der rund 40 Hochstammbäume bewirtschaftet. Zusätzlich hat er schon vier Tonnen schöne Mostäpfel an eine Grossmosterei abgegeben und zwei Tonnen Tafeläpfel gepflückt. «Wir müssen zwar gut aussortieren, denn je schöner der Apfel, desto besser der Most», machen die beiden Werbung für ihren «guten Most zu fairem Preis», wovon sie vermutlich 7000 Liter im Direktverkauf anbieten können. Wegen der Trockenheit seien viele Früchte früh abgefallen oder durch den sehr starken kompakten Behang werden Früchte gegenseitig abgedrückt, weshalb so viele am Boden lägen, war weiter zu erfahren.

Preis am Boden
Auf der gegenüberliegenden Seite, auf der Hochebene des Lohnberges, hoch über Zuzgen, fand die NFZ Roland und Gisela Meyer bei der Apfelernte. Sie betreuen gegen 50 Hochstammbäume und rechnen diesmal mit einer Ausbeute von 5000 Litern Most, die sie direkt ab Hof vermarkten. Roland steht auf der Leiter und schüttelt die Äste, damit sie Gisela in grosser Fülle direkt vom ausgelegten Netz verlesen kann. «Nur die guten Früchte werden für den Most verwendet, die schlechteren, aussortierten erhalten die Kühe heute Abend zum Dessert», schmunzelt sie.

Unter dieser Prämisse haben sie einst die höchste Auszeichnung in der Prämierung ihres Apfelsaftes eingeheimst. In diesem Jahr stellen sie einen Saft aus Birnen und Quitten her, die ebenfalls schönen Behang hätten, war zu erfahren. Die Abfuhr zu einer Grossmosterei lohne kaum den Aufwand, denn der Bruttopreis pro Kilogramm liege bei 18 Rappen. Dies sei vermutlich auch der Grund, dass kaum mehr jemand die in der Landschaft einzeln stehenden Hochstammbäume bewirtschafte.

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