Der Dorfpfarrer warnte seine Schäfchen vor dem Frauenstimmrecht

Di, 12. Feb. 2019

Der Frauenbund Sulz feierte seinen 100. Geburtstag

Rund 200 Frauen informierten sich am 8. Dezember 1919 über die geplante Gründung eines katholischen Frauenbundes. 182 Anwesende trugen sich dann als Gründungsmitglieder ein.

Dieter Deiss

In der Gründungszeit stand die Bildung der Frauen im Vordergrund. Dieses Ziel wurde angestrebt durch ein Kursangebot sowie durch Vorträge an den jährlichen Generalversammlungen. Rita Rheinegger und Elsbeth Stäuble hatten die Vereinsprotokolle durchstöbert und trugen der Versammlung ein paar Müsterchen daraus vor. Insbesondere die Zusammenfassungen der jeweiligen GV-Referate regten zum Schmunzeln an, machten gleichzeitig aber auch nachdenklich über das damalige Frauenbild.

So empfahl Pfarrer Huber den heiratswilligen Töchtern an der GV 1927 ein «fürstlich sittsames Betragen gegenüber dem Bräutigam». Schwester Feigenwinter aus Basel bezeichnete 1933 in ihrem Vortrag das Opferbringen als die grösste und schönste Aufgabe der Frau. Eine begeisterte Aktuarin kommentierte dies so: «Dieser Vortrag gehört zum Schönsten, was je im Frauenbund gesprochen wurde.» Ein Pater Agapit befasste sich an der GV von 1934 mit den Irrwegen der Frauenwelt: «Eine verständige Frau soll sich nicht dem Modestaat hingeben, denn eine Modegans ist nicht nur eine teure, sondern auch eine dumme Gans», führte der Pater aus. 1935 mahnte der GV-Referent: «Trotz der ungünstigen Zeiten sollen die Frauen nicht immer klagen, sondern frisch und freudig arbeiten.» Der Dorfpfarrer warnte seine Schäfchen 1946 vor dem Frauenstimmrecht: «Das Frauenstimmrecht bedeutet nichts Gutes, es liegt nicht im Sinne des katholischen Geistes. Der Platz der katholischen Frau ist in der Familie.» Ein Bericht über einen Nähund Flickkurs aus dem Jahre 1922 lobt die gute Arbeit der «Kurstöchter». Anlässlich der Ausstellung der geflickten und neuen Wäsche inspizierte Bezirkspräsidentin Frau Buser die Arbeiten. Sie sei dazu extra zu Fuss von Eiken nach Sulz «gepilgert», konnte man nachlesen.

Frauenpower – Powerfrauen
Keine hohen Wellen warfen die geschäftlichen Traktanden. Spannend der mit Bildern untermalte Jahresbericht von Präsidentin Gaby Weiss. Dieser zeigte mit aller Deutlichkeit auf, dass das aus den alten Protokollen hervorgegangene, verstaubte Frauenbild längst der Vergangenheit angehört. Typisch dafür das auf den Tischen liegende pinkfarbene Notizblöckli mit dem Aufdruck «Frauenpower – Powerfrauen». Vielversprechend auch das von den 59 anwesenden Mitgliedern verabschiedete Jahresprogramm 2019. Mit einem Jubiläumsgottesdienst findet zudem am 8. Dezember ein weiterer Höhepunkt des Vereinsjahres statt. Erstmals in der Geschichte des Frauenbundes Sulz wurden auch zwei Laufenburger Frauen aufgenommen.

Als Vertreterin des Aargauisch Katholischen Frauenbundes gratulierte Gisela Zinn-Morales den Sulzerinnen: «100 Jahre lang hat das Netz getragen. Tragen wir Sorge dazu, dass dies auch inskünftig so ist!» An den Vorstand gerichtet meinte sie: «Eure Arbeit ist wichtig und unbezahlbar.» Zum Schluss war dann die Reihe am «Rösle usem Chrächethal». Mit ihrer rund einstündigen Unterhaltung zauberte sie eine fröhliche Stimmung in den Saal.

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