Kohle und «heissi Marroni» vom Mettauertal

So, 04. Nov. 2018

Am 9. November wird im Mettauertal zum sechsten Mal ein Kohlemeiler angezündet. Zu geniessen gibt es dann auch «heissi Marroni» aus einer Kastanien-Allee aus dem Mettauertal. Ein romantischer, geselliger Abend mit beleuchteten Kürbissen ist auf dem Mettauerberg angesagt.

Bernadette Zaniolo

Wird das Mettauertal bald zum «Tal der Kastanienbäume»? Der Grundstein ist jedenfalls gelegt. Stefan Zumsteg hat vor rund zehn Jahren die ersten Kastanienbäume in der «Egghalde» in Wil gepflanzt. Dass die erste Ernte – zirka 15 Kilogramm – gerade 2018 anfällt, in welchem die Edelkastanie zum Baum des Jahres erkoren wurde, freut ihn. «Es ist jedoch Zufall», sagt der Landwirt aus Wil. Die Idee zur Pflanzung sei mehr oder weniger aus einem «Furz» entstanden. Doch dann hat sich Zumsteg von Fachleuten (Landschaftsplaner/ Baumschulisten) beraten lassen. So sei die Allee (wegen der Befruchtung braucht es mehrere Bäume) auf der «Egghalde» entstanden. Gemäss Stefan Zumsteg muss der Boden, auf welchem die Edelkastanien gepflanzt werden, einen hohen PH-Wert aufweisen und sie liebt ein sonniges, trockenes Klima. «Das Kastanienholz ist wertvoll. Die Bäume können 600 Jahre alt werden», sagt er zur NFZ. Wie er weiter verriet, habe der Jurapark Interesse, die Edelkastanie zu fördern, etwa mit einer Baumpflanzaktion, bei welcher man sich als Götti oder Gotte beteiligen könne.

Doch vorher wird die Edelkastanie schon mal einen Platz im Baumpfad auf dem Mettauerberg (beim ehemaligen Schützenhaus) erhalten. Und mit Blick auf den Klimawandel sagte der ehemalige Förster des Forstbetriebs Mettauertal-Schwaderloch, André Schraner, dass die Edelkastanie zu einem Zukunftsbaum, auch in unserer Region, werden könnte.

Vom Baum bis zur Holzkohle – vom 9. bis 18. November in Mettau
Einen festen Platz im Mettauertal hat die traditionelle Holzköhlerei bereits. Vom 9. bis 18. November lebt dieses alte Handwerk, welches einst auch im Juraparkgebiet von grosser Bedeutung war, erneut auf. Unter Mithilfe und den wachsamen Augen der Köhlerin Doris Wicki wurde der Meiler am Dienstag mit der «Löschi» (Kohlestaub aus dem Entlebuch – der Heimat der Köhlerin) eingepackt. «Ich schätze die immer gute Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern», sagt Wicki zu den Projekten im Mettauertal. Sie freut sich, dass dieses immaterielle Kulturerbe in dieser Region bekannt gemacht wird. Dieses Handwerk war früher in der Region aktuell. Wicki verweist auf den Flösserweg und die Eisenerz-Verschüttung in Herznach.

Nachfolger oder Nachfolgerin gesucht
«Es macht Freude», so Silvio Signer aus Bözberg, Forstwart-Lehrling (3. Jahr), dass er beim Aufbau des Kohlemeilers mithelfen darf. Der gleiche Tenor («ich finde es super») kommt auch von Julie Märki. Die Schwaderlocherin hat ihre Forstwart-Lehre erst im August begonnen. Die Köhlerin Doris Wicki freut sich ebenfalls sehr über die Mithilfe der angehenden Forstwarte. Dies auch mit Blick auf ihre Pensionierung. «Ich brauche dringend einen Nachfolger oder Nachfolgerin», so die 60-Jährige, welche seit 2004 die Köhlerei als Event anbietet.

Die Wintersaison der Köhlerin
Doch was hat Doris Wicki eigentlich «ursprünglich» gelernt? «Coiffeuse», sagt sie mit einem Lächeln zur NFZ. Und ergänzt auf charmante Weise: «E Schäri und es Mässer hani immer debi». Die sympathische Frau aus dem Entlebuch ist auch Vize-Präsidentin des europäischen Köhlerverbandes. Vom Frühling bis im Herbst ist sie als Köhlerin unterwegs (dieses Jahr sind es zehn Projekte). Während der Wintersaison arbeitet sie in einem Berggasthaus in Sörenberg.

Nebst ihrem Engagement als Köhlerin wird Doris Wicki vom 9. bis 18. November auch für eine gelungene Beleuchtung des Baumpfades sorgen. Auch Kürbisse aus Etzgen werden zu bewundern sein. Denn: Wenn es in Etzgen dieses Jahr schon keine Kürbisbeleuchtung gibt, soll mit einigen Exemplaren an diesen schönen Anlass erinnert werden.


Ein buntes Programm oder «Burnout à la Mettauertal»

Am Freitag, 9. November, um 19 Uhr, wird in Mettau (beim ehemaligen Schützenhaus auf dem Mettauerberg) der Kohlemeiler angezündet. Am Montag, 12. November, 15 Uhr, wird der Köhlerfilm gezeigt. Ueli Rothenbühler wird am 15. November, 15 Uhr, über effektive Mikroorganismen und Kohle referieren. Vom 10. bis 18. November, jeweils ab 11 Uhr, lädt eine Festwirtschaft zum Verweilen ein; am 9. November, ab 17 Uhr. Auch der täglich abends beleuchtete Baumpfad ist ein Grund für einen Spaziergang oder eine Fahrt auf den Mettauerberg. Ganz nach dem Motto der Werbekampagne der Gemeinde: «Burnout à la Mettauertal».

Übrigens: Wer Köhler-Feeling pur erleben möchte, der kann in der Zeit vom 9. bis 18. November 2018 eine Übernachtung im Forstwagen auf dem Mettauerberg «buchen». (bz)

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