«Firma sollte ein Abbild der Gesellschaft sein»

So, 11. Nov. 2018

Thomas Stöckli und Peter Waldmeier über die Mitarbeiterbindung in einem Betrieb

Die Durchmischung aller Altersgruppen bei den Mitarbeitenden ist wichtig. Davon profitieren die Firma wie auch die Kunden. Davon sind Thomas Stöckli, Mitinhaber von Gartenbau Stöckli in Frick und sein langjähriger Mitarbeiter Peter Waldmeier überzeugt.

Susanne Hörth

Was macht einen guten Arbeitnehmer aus? Darauf Thomas Stöckli, Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident von Gartenbau Stöckli in Frick: «Wenn jemand frisch zum Team stösst, erwarte ich einen Mitarbeiter, der an der Arbeit und seinem Umfeld interessiert ist. Einer, der auf die anderen Mitarbeiter zugeht. Und er muss, das ist das Wichtigste, offen sein für Weiterbildung.» Einem guten Mitarbeiter müsse man vertrauen und sich auf ihn verlassen können. Und: «Ein guter Mitarbeiter ist einer, der seine Arbeit gerne macht.»

«Das was ich beruflich mache, ist auch privat meine Lieblingsbeschäftigung, mein Hobby», erklärt Peter Waldmeier. Seit 38 Jahren ist er bei der Gartenbau Stöckli tätig. Auf die Frage, was für ihn ein guter Arbeitgeber ist, antwortet er: «Ich erwarte eine interessante Arbeit. Einen Ort, an dem ich meine Ideen einbringen kann, in dem man offen ist für Neues.» Dient es der Sache, so will Waldmeier auch konstruktive Kritik seinem Chef gegenüber einbringen können. «Es gab in den letzten Jahrzehnten immer wieder Momente, da waren wir nicht gleicher Meinung. Wir haben es stets klären können.»

Die Antworten der beiden Männer sind, obwohl inhaltlich so ähnlich, nicht abgesprochen. Vielmehr ist es ein durch die Jahre gewachsenes Vertrauen, ein gleiches Verständnis für die Belange des Geschäftes und auch das Wissen, aufeinander zählen zu können aber auch, aufeinander angewiesen zu sein.

Botschafter des Unternehmens
«Mitdenken und Mitreden der Mitarbeiter ist mehr als ein Wunsch. Es eine Kultur. Die Firma profitiert dann, wenn das alle aktiv leben», betont Stöckli und fügt an: «Bei uns haben natürlich neben den Chefs auch die Mitarbeiter den Kontakt zu den Kunden.» Sie, ihr Fachwissen und ihre Arbeit seien das Aushängeschild für den Betrieb. Freundliches und kompetentes Auftreten der Gartenbaufachleute bei der Kundschaft ist für Stöckli eine Selbstverständlichkeit. «Sie sind die Botschafter unserer Firma.»

Als ein solcher Botschafter sieht sich auch Peter Waldmeier. Mehr als 32 Jahre lang war er Vorarbeiter und Leiter von grossen Baustellen. Jetzt ist er Kundengärtner und führt eine eigene Gruppe. In den vielen Jahren habe er sich weiterbilden und entsprechend Verantwortung übernehmen können. «Das gehört meiner Meinung dazu, um unseren Beruf attraktiv bleiben zu lassen.» Thomas Stöckli ergänzt: «Unsere Firma hat die gewisse Grösse, in der eine Weiterentwicklung möglich ist.» Er weiss, die Karrieremöglichkeiten in einem Betrieb spielen für viele Arbeitnehmer eine wichtige Rolle.

Wie wird man in einem Unternehmen alt?
Im Gartenbau ist eine körperliche Leistungsfähigkeit – bei Frauen wie bei Männern – eine Voraussetzung. Mit dem Älterwerden der Mitarbeiter nimmt diese Leistungsfähigkeit vielfach etwas ab. Bei Gartenbau Stöckli besteht die Möglichkeit, in andere, körperlich weniger anstrengende Bereiche wechseln zu können. Anderer Bereich bedeutet aber nicht, so Thomas Stöckli, dass man die Zeit bis zur Pensionierung einfach irgendwie «ausplempern» lassen kann. «Auch wenn man 40 Jahre in einer Firma tätig ist, muss die Bereitschaft für Neues da sein.»

Er macht in diesem Zusammenhang zudem darauf aufmerksam, dass es – und dies nicht nur in der Gartenbau-Branche – mehr Wissen braucht, wie man in einer Firma alt werden kann. «Es braucht hierfür mehr Bewusstsein aller, mehr Ausbildungsangebote, neue Modelle.»

Ohne offene Kommunikation geht es nicht
Reicht es, mit all den eingangs erwähnten Voraussetzungen und Erwartungen ein guter Mitarbeiter, ein guter Chef zu sein. Stöckli und Waldmeier schütteln den Kopf. «Nein. Das genügt nicht. Wir machen jeden Monat eine Teamsitzung und anschliessend grillieren wir oder sitzen sonst irgendwie gemütlich zusammen», erklärt Thomas Stöckli. «Früher hatte man sich Ende Woche zum Fürobebier getroffen und hier den Teamgedanken etwas ausserhalb des Schaffens gelebt.» Da habe sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen. Die Leute ziehen sich in ihre privaten Bereiche zurück, das Gespräch über das Geschäft und der damit verbundenen Freude, Sorgen und Nöte findet kaum noch in grösserer (Firmen)Runde statt. So ist – «quasi aus der Not heraus geboren» – die regelmässige Teamsitzung bei Gartenbau Stöckli entstanden und hat sich längst institutionalisiert. Die Teilnahme ist Pflicht. «Sie dient dem Meinungsaustausch, dem Einbringen von Ideen. Und es hören alle zu. Alle können reden. Als Reinigungsritual ist das sehr wichtig.» Thomals Stöckli, der seit diesem Jahr in Pension ist, nimmt an den Teamsitzungen nicht mehr teil. Diese werden von Patrick Uebelmann, CEO und Mitinhaber des Unternehmens, geleitet.

Den richtigen Umgang mit seinen Mitarbeitern bezeichnet Stöckli als eine der schwierigsten Aufgaben, die er habe lernen müssen. Mittlerweile blickt er auf eine 41-jährige Erfahrung als Arbeitgeber zurück und findet es zwingend, dass über Probleme offen gesprochen wird. Nur so könne eine schlechte Stimmung verhindert werden. Denn Stöckli weiss: «Mit einer guten, zufriedenen Mitarbeitercrew ist man als Chef nie alleine.»

Zunehmender Druck
Das Betriebsklima ist das eine, der Druck von aussen das andere. Die digitalisierte Welt sorgt auch im Gartenbau-Metier für immer mehr Hektik. Alles soll immer schneller, wenn möglich gestern und deutlich günstiger als bei der ebenfalls angefragte Konkurrenz erfolgen. Für Thomas Stöckli gehört es zum gelebten Teamgedanke, dass auch in dieser Hinsicht Transparenz im Unternehmen herrscht. Das trage zum Verständnis über alle Firmenbereiche hinweg bei. Vermehrt werden die Gartenfachleute ausserdem damit konfrontiert, dass Ungelernte ihre Dienste den Kunden zu Tiefstpreisen anbieten. «Deswegen zu jammern, bringt aber nichts. Es zwingt uns, immer noch besser zu werden.» Das ist für Peter Waldmeier nichts Negatives, sondern vielmehr ein Ansporn. Gut im Job zu sein, die Begeisterung an der Arbeit an junge Leute im Team übertragen zu können und im Gleichzug von den Jungen Neues zu erlernen, das gehört für Waldmeier ebenfalls dazu. An dieser Stelle wirft Stöckli ein «Ein langjähriger Mitarbeiter sollte nie das Gefühl haben, er könne alles.» Er ist stolz auf seine langjährigen Leute, aber auch auf die jungen, teilweise erst in der Lehre befindlichen Berufsleute. «Ein Firma sollte, wenn möglich, stets eine vernünftige Altersdurchmischung haben. Ältere erfahrende Berufsleute und junge Leute in Ausbildung, die anderes Denken und neue Ansichten einbringen. Es ist gut, wenn die Firma ein Abbild der Gesellschaft ist: Jung, mittelalt und alt. So wie es auch unsere Kunden sind.»

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