Wahrgewordener Traum vom eigenen Modelabel

Mi, 12. Sep. 2018

Ramona Erb verbindet Modedesign und soziales Engagement

Die Mode von Ramona Erb ist frech, bunt und stylisch. Mit ihrem Modelabel möchte die junge Designerin aus Gipf-Oberfrick aber auch auf Missstände aufmerksam machen. Sie tut das mit unaufdringlichen Botschaften in ihren Kleidern und dem aktiven Unterstützen pro verkauftem Artikel an eine Wohltätigkeits-Organisation.

Susanne Hörth

Geht es um Mode, so sind bedrohte Orang-Utans, deren durch den Palmölabbau verloren gegangene Lebensräume oder das Elend von syrischen Flüchtlingen sicherlich nicht das Erste, was einem dazu in den Sinn kommt. Faire Arbeitsbedingungen dann doch noch eher. Für Ramona Erb gehört aber alles zusammen. Die Leidenschaft für Mode und Design wie auch das Sensibilisieren für das, was Leiden schafft.

Wer nun meint, die junge Modedesignerin aus Gipf-Oberfrick will ihre Botschaft mit düsteren, tristen Kleidungsstücken vermitteln, der irrt. Der Blick auf ihre Website (www. ramonaerb.com) präsentiert leuchtende Farben, bunte Prints und freche Schnitte. Von der Idee, der Wahl der Stoffe, den Geschichten erzählenden Prints, dem Zuschneiden bis hin zum Nähen und Vermarkten passiert bei der 29-Jährigen alles aus eigener Hand. Erst letztes Jahr hat die Fricktalerin mit «RAMONAERB» ihr eigenes Modelabel gegründet. «Ein Modelabel mit sozialem Engagement», betont Ramona Erb. So unterstützt sie mit je 10 Euro pro verkauftem Kleidungsstück aus ihrer aktuellen Kollektion «Orang-Nutan» die Organisation orang-utans-in-not.org. Es geht um die Ausrottung der letzten Menschenaffen und der dafür verantwortlichen Palmölproduktion.

Ein Kindheitstraum
«Ich hatte schon immer eine Affinität zu Kleidern und Mode. Schon als kleines Kind.» Nach der obligatorischen Schulzeit in Gipf-Oberfrick und der anschliessenden Sportkanti in Aarau entschloss sich Ramona Erb beruflich aber für einen «sicheren Geldverdienjob» und machte eine kaufmännische Ausbildung mit Berufsmaturität an der Wirtschaftsmittelschule in Aarau.

Zur Sportkanti: Nur kurz streift Ramona Erb im Gespräch ihre intensive Zeit als Leistungssportlerin. Bereits mit elf Jahren durfte sie sich beim Tennisclub Frick als Clubmeisterin feiern lassen. Sie wechselte später den Club, wurde mehrfach Aargauer Meisterin und positionierte sich auch auf dem nationalen Tennisparkett auf dem Treppchen nach oben. Im Alter von 18 Jahren beendete sie aber dann diese Sportkarriere. Zuviel habe sie nicht nur von ihr, sondern auch der Familie gefordert.

Der Umzug nach Berlin war eine Herzensangelegenheit. Weniger der Stadt, sondern der Liebe wegen zog sie mit Anfang 20 in die deutsche Metropole. In den folgenden neun Jahren passierte viel. Ramona Erb verwirklichte ihren Jugendtraum und studierte Modedesign. Mit freudigen Unterbrüchen. Die angehende Modedesignerin bekam im Abstand von je zwei Jahren drei Kinder. Der älteste der Buben ist zwischenzeitlich sechs Jahre alt. Die junge Mutter schaffte den Spagat zwischen Kindern, Haushalt, Partnerschaft und schloss ihre Ausbildung ab. Im Zuge dieser konnte sie unter anderem wertvolle Praxiserfahrungen bei dem bekannten Label «LALA Berlin» sammeln. «Zudem durfte ich an der Berliner und Pariser Fashion-Weeks arbeiten.»

Zurück in der Heimat
Ramona Erb sitzt beim Treffen mit der NFZ-Journalistin am Esstisch in ihrer Wohnung in Gipf-Oberfrick. Hierher, in ihr Heimatdorf, ist sie erst vor kurzem mit ihrem Partner und den drei Buben zurückgekehrt. «Es hat uns in Berlin einfach nicht mehr gefallen. Die Leute dort sind so unfreundlich. Die Wintermonate zudem so grau und trüb.» Ihren Kindern wollte sie deshalb auch ein Aufwachsen in einer freundlichen, naturnahen Umgebung ermöglichen. Wie zur Bestätigung blickt die junge Mutter zum Fenster hinaus, sagt: «Es ist richtig schön hier.»

Mit in die helle Wohnung eingezogen ist auch das Entwurf- und Schneide-Atelier von Ramona Erb. Es ist in einer Ecke des Elternschlafzimmers untergebracht. Die Wand über dem Nähtisch ist voller Entwürfe für die neue Kollektion, der dazu passende, schwere Seiden-Brokatstoff aus Damaskus ist als Muster wie auch in den Entwürfen omnipräsent. Ein türkis-anthrazit farbiger Stoff, der mit seinen Motiven an den Teppich, erinnert, den Ramon Erb bei ihrer Recherche im Doku-Film «Last men in Aleppo» (dokumentiert den syrischen Zivilschutz White Helmets) entdeckte. Der Teppich hing an einem Fussballtor in einem Trümmerfeld. Und schon steht neben der Mode, bei welcher Ramona Erb mit ihrem Label in überraschender Leichtigkeit und Verspieltheit daherkommt, auch das soziale Engagement im Raum.

«Mit meiner nächsten Kollektion unterstütze ich syrische Flüchtlinge», sagt die 29-Jährige. Sie trägt einen leuchtenden, coral-roten Sweater mit Palmölfrucht-Print. «Er stammt aus meiner ersten eigenen Kollektion «Orang-Nutan.» Eben noch zurückhaltend, breitet sich jetzt ein Strahlen auf ihrem Gesicht aus. Voller Stolz erzählt sie, dass sie an dem erst kürzlich stattgefundenen Elite Model Look Switzerland in Zürich als Designerin engagiert worden war. «Die Siegerin trug meine Mode und wird damit in vielen Medien gezeigt.»

Dass es trotz dieses schönen Erfolges noch ein weiter, teils auch ein sehr beschwerlicher Weg sein wird, bis sie sich in der Modewelt als Designerin etabliert hat, dessen ist sich Ramona Erb bewusst. Sie freut sich nun, dass sie am kommenden Wochenende in Frick in der Modeboutique «Lui e Lei» bei deren Modeapéro am Samstag, 16. September von 9 bis 16 Uhr, einige Teile aus ihrer aktuellen AW18-Kollektion präsentieren kann. Einige weitere Präsentationen sind bereits geplant.

Und wenn sich der erhoffte Erfolg mit dem Label «RAMONAERB» einstellt, dann: «möchte ich jener Frau in Berlin, die mir bisher geholfen hat, die feinen Seidensachen zu nähen, mehr Aufträge zukommen lassen», so Ramona Erb. Und sobald ihre Buben etwas grösser und selbstständiger sind, möchte sie auch gerne ein grösseres, eigenes Atelier. Immer dabei auch das soziale Engagement.

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