Aargau erwägt Mittelschulstandort im Fricktal

| Mo, 13. Aug. 2018

Der Regierungsrat prüft für die Fricktaler Mittelschüler zukünftig ein Fricktaler Gymnasium. Der Grund: Platzmangel im Aargau und Baselland.

Der Kanton Aargau führt in allen Kantonsteilen – ausser dem Fricktal – eine oder zwei Tagesmittelschulen. Es handelt sich um die Alte und die Neue Kantonsschule Aarau, die Kantonsschule Baden, Wettingen,  Wohlen und Zofingen. Mit Ausnahme der Kantonsschule Zofingen sind alle Schulen räumlich ausgelastet respektive überlastet. Von insgesamt rund 6'000 im Aargau wohnhaften Mittelschüler besuchen derzeit rund 5'500 eine Kantonsschule im Aargau. Rund 500 Fricktaler Schüler besuchen heute ausserkantonale Mittelschulen in den beiden Basler Halbkantonen. Nur ein kleinerer Teil, primär aus dem oberen Fricktal, besucht die Tagesmittelschulen in Aarau, Baden und Wettingen. Die interkantonale Zusammenarbeit funktioniert gut und hat sich in der Praxis bewährt.

Allerdings stehen der Aargau und die Partnerkantone vor grossen demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, welche auch das Mittelschulangebot betreffen. So wird die Anzahl Mittelschüler aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zwischen 2020 und 2040 um rund 20 Prozent wachsen. Aufgrund dieser Ausgangslage ist für den Aargauer Regierungsrat der richtige Zeitpunkt gekommen, um die Ausgestaltung der künftigen Mittelschullandschaft im Aargau an die Hand zu nehmen und insbesondere die Situation im Fricktal unter Einbezug der Nachbarkantone zu überdenken.

Alte Idee Mittelschule Fricktal

Die Frage nach einer Tagesmittelschule im Fricktal ist nicht neu: Bereits 1975 wurde Stein als Standort für eine Mittelschule im Fricktal vom Grossen Rat festgelegt und 1981 im Schulgesetz aufgenommen. Lange war das Schülerpotenzial aber nicht gegeben. Zudem konnte mit den Basler Halbkantonen eine gute Lösung gefunden werden. Nun stellt sich die Frage neu, ob im Fricktal eine Tagesmittelschule eröffnet werden soll. Die am 29. September 1968 vom Aargauer Stimmvolk abgesegnete Mittelschulkonzeption würde damit fertig umgesetzt und die bestehenden Tagesmittelschulen im Aargauer Mittelland könnten leicht entlastet werden.

Auch Basel-Landschaft prüft

Auch der Kanton Basel-Landschaft beschäftigt sich mit Standortfragen. Er strebt im Zeitraum von rund zehn Jahren sowohl örtlich wie organisatorisch eine erhöhte Konzentration der Bildungsangebote an. Sollte der Kanton Aargau eine Mittelschule im Fricktal aufbauen, entstünde eine veränderte Ausgangslage für die Mittelschullandschaft im Kanton Basel-Landschaft. Eine bedarfsgerechte und langfristige Planung ist daher nur möglich in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Partnerkantonen. Gegenwärtig besuchen rund 350 Schüler aus dem Fricktal Mittelschulen im Kanton Basel-Land, knapp 150 in Basel-Stadt. Mit einem Mittelschulstandort im Fricktal ist davon auszugehen, dass auch diese Jugendlichen zukünftig nicht mehr an ein baselstädtisches Gymnasium oder an die Fachmaturitätsschule FMS gehen würden. In Anbetracht der auch in Basel- Stadt zu erwartenden steigenden Schülerzahlen entstünden dadurch voraussichtlich aber keine Überkapazitäten an Schulraum, zumal die Errichtung eines neuen Mittelschulstandorts mehrere Jahre Planungs- und Umsetzungszeit benötigt.

Engpässe im Aargauer Mittelschulsystem

Mit Blick auf die nächsten 25 Jahre akzentuieren sich die Engpässe im Aargauer Mittelschulsystem, und es zeigt sich ein weitreichender Handlungsbedarf für zusätzliche Tagesmittelschulen. Die Prognosedaten für die Bevölkerungsgruppe der 15- bis 19-jährigen lassen aufgrund stärkerer Jahrgänge ab Beginn der 2020er Jahre einen stetigen Anstieg der Abteilungszahlen erwarten. Damit gibt es unabhängig von der Entwicklung im Fricktal auch im Aargauer Mittelland weiteren Raumbedarf, sei es an bestehenden Standorten oder an einem neu aufzubauenden Standort.

Zuletzt wurden Mitte der siebziger Jahre in Wohlen, Wettingen, Aarau und Zofingen neue Kantonsschulen gegründet. Neue Vorhaben und insbesondere neue Standorte erfordern einen langen planerischen Prozess, der mit vielfältigen gesellschaftlichen, raumplanerischen und politischen Interessen abgeglichen werden muss. Deshalb ist es aus Sicht des Regierungsrats zwingend notwendig, die Gestaltung der Aargauer Mittelschullandschaft für die kommenden Generationen jetzt an die Hand zu nehmen. In einem Planungsbericht sollen die Entwicklungsabsichten für die Mittelschullandschaft im Kanton Aargau für die nächsten 25 Jahre aufgezeigt werden. Dieser soll bis Mitte 2019 vorliegen und dem Grossen Rat zu Beratung und Beschlussfassung unterbreitet werden.

Kommentare

Das Oberstufenschulhaus in Mumpf würde sich da anbieten.

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