Ein Zentrum für Gesundheit in Stein

So, 08. Jul. 2018

«Es soll ein Bau entstehen, welcher der Steiner Bevölkerung zugutekommt», erklärt Stiftungspräsident Urs Buser. Und ein Werk, das den Stiftungszweck erfüllt. Die Stiftung, die 1903 von Johanna Brogle-Gertiser ins Leben gerufen wurde, bezweckt «die Pflege und Betreuung von kranken und gebrechlichen Einwohnern in der Gemeinde Stein durch ausgebildetes Pflegepersonal in Zusammenarbeit mit Ärzten», heisst es im Stiftungsstatut.

Ziel des Stiftungsrates ist es, in der Überbauung Arztpraxen und andere medizinische Dienstleister unterzubringen. «Ein Bedarf dafür besteht gerade im mittleren Fricktal», ist Buser überzeugt. Er kann sich beispielsweise eine Gemeinschaftspraxis von mehreren Haus- und/oder Fachärzten vorstellen. «Man habe mit verschiedenen Personen und Organisationen bereits erste Gespräche geführt, sagt Buser. «Wir spüren von allen Seiten her Zustimmung und haben auch bereits erste Interessenten.» Interessierte Mieter seien ebenfalls schon in Sicht, freut sich der Stiftungspräsident. Dies ist für den Stiftungsrat die Basis, das Zentrum zu realisieren. «Sonst ist das finanzielle Risiko zu hoch», so Buser. Die Stiftung investiert in das Zentrum, das in zwei Etappen realisiert werden soll, an die 12 Millionen Franken.

Auch Wohnungen geplant
Von diesen Investitionen sollen neben den Dienstleistern auch Wohnungssuchende profitieren: Die Stiftung will im Zentrum rund 20 behindertengerechte Wohnungen bauen, verteilt auf die beiden Bauetappen. Der Stiftungsrat ist davon überzeugt, dass diese Wohnungen leicht vermietet werden können. «Die Lage ist zentral und doch sehr ruhig.» Geplant sind Zweieinhalb-, Dreieinhalb- und Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen. Im Gebäude im vorderen Teil des Grundstückes, Richtung Kirchenbezirk, sind heute der Spitex-Stützpunkt Stein, der Verein «Spielgruppe Chäferli» sowie eine Wohnung untergebracht. «Dieses Gebäude bleibt bis auf weiteres bestehen», sagt Buser. Denn ein Abriss und eine Neuüberbauung seien erst in der zweiten Bauetappe vorgesehen. Das Gebäude im hinteren Teil des Areals, das ehemalige Haus der Missione Cattolica, soll dagegen abgerissen werden. Hier ist heute die Musikschule untergebracht, die bei der Stiftung eingemietet ist. Die Gemeinde beabsichtigt, die Musikschule künftig in freiwerdenden Schulräumen unterzubringen. Vorabklärungen mit der Gemeinde haben bereits stattgefunden.

Im Gesundheitszentrum sollen für Praxen und Dienstleister im Erd- und Obergeschoss Räume zur Verfügung gestellt werden. «Der Zugang zum Gesundheitszentrum soll möglichst einfach sein», erläutert Buser. Das verbleibende Bauvolumen wird für Wohnraum und weitere Bedürfnisse genutzt. Im Untergeschoss sind Kellerräume und eine Einstellhalle mit rund 60 Parkplätzen geplant.

Unterstützung für Tagesstätte
Was aber motiviert den Stiftungsrat, ein solches Grossprojekt in Angriff zu nehmen? «Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, den Stiftungszweck noch besser zu erfüllen.» Dieser wird heute erfüllt, indem die Stiftung den Fahrdienst des Roten Kreuzes und die Tagesstätte der Benz’schen Stiftung in Frick unterstützt. So werden betreuende Angehörige entlastet.

Dieses finanzielle Engagement sei auf Dauer «einfach zu wenig», ist der Stiftungspräsident überzeugt und erinnert an die Leistungen, welche die Stiftung früher erbracht hat. Lange Zeit finanzierte sie drei Ordensschwestern, die in Stein die Krankenpflege und den Kindergarten betreuten. Nach dem Rückzug der Baldegger Schwestern stellte die Stiftung dann selber eine Krankenschwester an, um die Pflege der Steiner zu Hause sicherzustellen. Mit dem Aufkommen der Spitex erübrigte sich dieses direkte Engagement zusehends.

Baueingabe noch 2018
Die Stiftung prüfte daraufhin verschiedene Optionen wie ein Zentrum für ‹Betreutes Wohnen›. «Das Areal erwies sich gemäss dem Verein für Altersbetreuung im Oberen Fricktal dafür als zu klein», sagt Buser. Immer mehr kristallisierte sich die Option «Gesundheitszentrum» heraus. Der Stiftungsrat machte erste Abklärungen und liess von der Birri Architekten AG aus Stein die vorliegende Projektstudie ausarbeiten.

Nun soll es vorwärtsgehen mit der Realisierung des Bauprojektes. Das Baugesuch will die Stiftung noch in diesem Jahr einreichen – immer vorausgesetzt, dass die Finanzierung und Erträge zugesichert sind. Der Stiftungsrat ist überzeugt: «Das gibt ein Werk, an dem die Stifterin, Johanna Brogle-Gertiser, ihre Freude haben würde.»

Stiftung
Johanna Brogle-Gertiser legte 1903 testamentarisch fest, dass ein Teil ihres Vermögens in eine Stiftung für Krankenpflege fliesst. Die Stiftung wurde 1904 gegründet. Als Verantwortlichen bestimmte Brogle den jeweiligen Ortsseelsorger. Mit der Zeit wurde der Stiftungsrat auf drei, später fünf Personen erweitert. Aktuell gehören dem Stiftungsrat sechs Personen an. Präsidiert wird die Stiftung von Urs Buser, dem langjährigen Gemeindeleiter der Pfarrei Stein.

Die Stiftung bezweckt «die Pflege und Betreuung von Kranken und gebrechlichen Einwohnern in der Gemeinde Stein durch ausgebildetes Pflegepersonal in Zusammenarbeit mit Ärzten», heisst es in den Statuten. In der Gründungsurkunde war der Stiftungszweck noch enger gefasst. Danach kam die Pflege und Betreuung allein römisch katholischen Personen zugute. «Die Stiftung ist in einer Zeit entstanden, als im unteren Fricktal nach dem Ersten Vatikanischen Konzil immer mehr christkatholische Gemeinden entstanden sind», erklärt Buser. Johanna Brogle-Gertiser habe vor dem Hintergrund dieser Entwicklung eine restriktive Formulierung gewählt.» Diese konfessionelle Abgrenzung sei heute nicht mehr zeitgemäss, ist Urs Buser, der 1980 nach Stein kam und seither im Stiftungsrat sitzt, überzeugt. Deshalb wurde 1993 eine Statutenänderung angeregt und vollzogen – «damit alle Steiner Einwohner profitieren können». Buser ist überzeugt: «Dies ist sicher auch im Sinn der Stifterin.» (mgt)

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