«Ich bin mir treu geblieben»

| Do, 07. Dez. 2017

Seit 2002 ist Heinz Kim Gemeindeammann von Zuzgen. Auf Ende Jahr gibt der 68-Jährige das Amt ab. Kim lässt sich nur selten aus der Ruhe bringen. Wenn aber Halbwahrheiten im Dorf herumgeboten werden, ärgert er sich.

Von Valentin Zumsteg

NFZ: Herr Kim, seit 16 Jahren sind Sie Ammann von Zuzgen. Warum hören Sie jetzt auf?

Heinz Kim: Ich bin nicht amtsmüde. Der Zeitpunkt ist jetzt aber günstig, weil mit Daniel Hollinger ein guter Nachfolger in den Startlöchern ist. Wir haben uns bereits vor vier Jahren mit der Nachfolge beschäftigt.

Hat sich das Amt in den vergangenen 16 Jahren verändert?

Ja, massiv. Die Bürgerinnen und Bürger sind heute kritischer und stellen mehr Fragen als dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Es wird schneller reklamiert oder Rekurs gemacht. Gleichzeitig haben die Vorgaben und Weisungen von Bund und Kanton deutlich zugenommen. Insgesamt ist das Amt anspruchsvoller geworden.

 

Hat das Amt Sie verändert, sind Sie ein anderer geworden?

Jein. Ich glaube, ich bin mir treu geblieben und habe mich nicht verbiegen lassen. Es ist wichtig für ein solches Amt, dass man authentisch bleibt. Weil die Bürger mehr Fragen stellen und kritischer sind, bereite ich mich heute aber jeweils auf alle Eventualitäten vor. Insgesamt bin ich wohl ruhiger und gelassener geworden, das ist vielleicht eine Frage des Alters.

Sie wirken immer sehr umgänglich. Kann Sie nichts auf die Palme bringen?

Doch. Es ärgert mich, wenn im Dorf Halbwahrheiten erzählt werden. Manchmal höre ich das, wenn ich am Stammtisch sitze. Sonst lasse ich mich aber nicht so schnell aus der Ruhe bringen.

War das Amt insgesamt mehr Lust oder Last?

Es war ganz klar mehr Lust. Ich habe Freude an diesem Amt. Zuzgen liegt mir sehr am Herzen.

Auf was hätten Sie verzichten können?

Eigentlich auf nichts. Ich habe zwar auch mal eine Enttäuschung oder einen Frust erlebt, doch das gehört dazu.

Als Sie vor 16 Jahren in den Gemeinderat kamen, wurden Sie auch gleich als Ammann gewählt. War das ein schwieriger Start?

Es war sicher einfacher als es das heute wäre. Ich hatte das Glück, dass ich während den ganzen 16 Jahren immer auf ein sehr gutes Kollegium zählen konnte. So gelang auch der Einstieg.

Hat Sie das Amt manchmal um den Schlaf gebracht?

In der Anfangszeit war das so. Mit der wachsenden Erfahrung wurde es aber besser. Heute habe ich keine schlaflosen Nächte mehr.

Gemeindeammann sei das schönste und wirkungsvollste Amt, haben sie kürzlich gesagt. Wie zeigt sich das?

Als Gemeindeammann und Gemeinderat kann man ein Projekt einbringen und es wird sofort diskutiert, vielleicht sogar an einer der nächsten Gemeindeversammlungen bewilligt. Das geht nur auf Gemeindeebene, hier kann man schnell etwas bewegen. Im Kanton und im Bund dauern die Prozesse viel länger.

Sind Sie als Gemeindeammann also so etwas wie der Dorfkönig?

Vielleicht meinen das einige Leute. Ich sehe mich aber nicht als Dorfkönig, sondern als Ansprechpartner für die Bevölkerung. Ich glaube, das wird auch gewünscht.

Die Kommunen haben immer weniger zu sagen, klagen andererseits viele Gemeindepolitiker. Bereitet Ihnen diese Entwicklung Sorge?

Ja, durchaus. Ich bin als Freisinniger ein grosser Verfechter der Eigenverantwortung. Ich wäre froh, wenn es weniger Gesetze und Verordnungen gäbe. Wenn ich heute sehe, wie die Gemeinden in der Autonomie eingeschränkt sind, bereitet mir das Sorgen. Wir können nur noch über rund 20 Prozent des Budgets selber bestimmen, der Rest ist vorgegeben. Der Spielraum ist also klein.

Wie geht es Zuzgen heute?

Wir haben zwar ein bisschen Schulden, doch die Gemeinde steht gut da. Die Infrastruktur ist auf Vordermann.

Rückblickend betrachtet: War die Millionen-Investition ins neue Schulhaus, das 2012 eingeweiht werden konnte, richtig?

Sie war damals richtig und sie ist heute richtig. Ob sie auch morgen noch richtig sein wird, wissen wir nicht. Die Schule ist in einem konstanten Umbruch. Die Bevölkerungszahl stagniert. Vor zehn Jahren gingen wir davon aus, dass Zuzgen bis 2020 rund 1000 Einwohner haben wird. Das erreichen wir nicht.

Wie sehen Sie die Zukunft von Zuzgen? Kommt es in den nächsten zehn Jahren zu einer Fusion?

Sag niemals nie. Man wird nicht darum herum kommen, die Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Ob dies mit einer Fusion oder mit einer anderen Organisationsform passiert, muss sich weisen. In vielen Bereichen arbeiten wir im Tal und mit der Gemeinde Möhlin schon so eng zusammen, dass es fast einer Fusion entspricht. Ich persönlich wäre für eine Fusion offen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Aber das Thema ist derzeit nicht aktuell.

Werden es Ihre Nachfolger im Gemeinderat schwerer haben als Sie es hatten?

Nicht schwerer, aber anders. Wichtig ist, dass man anpackt und in die Zukunft schaut. Das ist mein Rat.

Apropos: Werden Sie künftig die Gemeindeversammlungen besuchen?

Ja, ich werde die Gemeindeversammlungen besuchen. Das ist für mich fast eine Bürgerpflicht. Ich will dem Gemeinderat aber nicht dreinreden. Wenn meine Meinung gefragt ist, werde ich mich äussern.

Auf was freuen Sie sich im neuen Jahr, in dem Sie nicht mehr Gemeindeammann sind?

Ich freue mich auf mehr Freizeit. Ich habe aber durchaus Respekt vor dem neuen Lebensabschnitt. Einiges wird sich ändern. Ich bin überzeugt, dass ich privat über ein gutes Netzwerk verfüge, so dass ich nicht in ein Loch falle. Das Präsidium des Gemeindeverbands Soziale Fachbereiche des Bezirks Rheinfelden werde ich aus Gründen der Kontinuität noch bis Mitte 2019 innehaben. Zudem bin ich Präsident der Aargauer Turnveteranen-Vereinigung. So lange ich gesund sein darf, wird es mir nicht langweilig.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie Zuzgen und dem Fricktal für die Zukunft?

Ich wünsche den Verantwortlichen eine glückliche Hand in allen Entscheidungen. Wichtig ist, dass nicht alles immer komplizierter wird. Es braucht gute, einfache Lösungen.

 

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