Der Kampf um die Fachkräfte

| Do, 23. Nov. 2017

Rund 60 Prozent der Aargauer KMU haben Mühe bei der Suche nach geeigneten Arbeitskräften. Auch das Gesundheitszentrum Fricktal ist davon betroffen. Der NAB-Wirtschaftsapéro beschäftigte sich mit dem Fachkräftemangel im Aargau.

Von Valentin Zumsteg

Gut besucht war am Montagabend der Wirtschaftsapéro, den die Neue Aargauer Bank zusammen mit dem Gewerbeverein Rheinfelden durchführte. Rund 120 Personen konnte Linus Lori, Leiter Firmenkunden Fricktal, im Saal des Gesundheitszentrums Fricktal in Rheinfelden begrüssen. Thema des Abends war der Fachkräftemangel.

Wie gross das Problem ist, zeigte Ökonom Jan Schüpbach auf. Er gehört zu den Autoren der aktuellen NAB-Regionalstudie. «60 Prozent der Aargauer KMU haben Mühe bei der Kandidatensuche. 25 Prozent sind akut von einem allgemeinen Fachkräftemangel betroffen», erklärte Schüpbach. Vor allem in der Industrie und in der Baubranche seien gut ausgebildete Leute gesucht. Schüpbach wies auch darauf hin, dass der Aargau bei der Quote der Hochschulabsolventen unter dem Schweizer Durchschnitt liegt, ebenso bei den Fachhochschulabschlüssen. Wenig überraschend ist, dass in Grenzregionen wie dem Fricktal und dem Zurzibiet Grenzgänger eine wichtige Rolle spielen (die NFZ berichtete): In einzelnen Gemeinden machen sie über 30 Prozent der Arbeitskräfte aus. So kann der Fachkräftemangel etwas abgefedert werden.

Mit Blick in die Zukunft meinte Schüpbach: «Die Erwerbsbevölkerung im Aargau stagniert und altert. Das Arbeitskräftepotential muss besser ausgeschöpft  werden.» Um mehr Frauen in den Arbeitsprozess integrieren zu können, brauche es eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine weitere Möglichkeit sieht er in der Beschäftigung von Arbeitskräften über das Pensionsalter hinaus.

Wie schwierig die Rekrutierung von Fachleuten sein kann, zeigte Reto Meier auf. Er ist seit 2013 Leiter Personal im Gesundheitszentrum Fricktal, das rund 850 Mitarbeiter zählt und einen Umsatz von 110 Millionen Franken erwirtschaftet. «Wir suchen aktuell eine medizinische Praxisassistentin. Wir erhalten fast keine Bewerbungen», erklärte er. Diplomierte Pflegefachfrauen finde man zwar noch, aber die Rekrutierungszeiten seien länger geworden. Fast ein Ding der Unmöglichkeit sei es, Hausärzte zu bekommen. «Ein absoluter Mangel herrscht bei den diplomierten Fachpersonen Operationstechnik. Wenn man hier mit Temporären arbeiten muss, kostet das 16 000 Franken pro Monat», so Meier. Es gebe Spitäler in der Nordwestschweiz, die festangestellten Fachpersonen Operationstechnik eine monatliche Prämie von einigen Hundert Franken zahlten, nur damit sie nicht kündigten. Das GZF mache dies nicht. Aber auch hier spüre man den Lohndruck bei Mangelberufen.

Das Gesundheitszentrum investiert stark in eine familiäre Kultur, wie Meier betonte. «Wir wollen, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen und gar nicht auf die Idee kommen, zu kündigen.» Dies mache sich bezahlt, die Fluktuationsrate liege gesamthaft bei 4,5 Prozent, in der Pflege sogar unter vier Prozent. Das seien gute Werte. Damit es genügend Berufsleute gibt, setzt das Gesundheitszentrum stark auf die Ausbildung des Nachwuchses: So werden jährlich rund 100 Lernende und Studierende in 14 Berufen ausgebildet. Für Reto Meier ist aber klar: «Der „Kampf“ um die Fachkräfte im Gesundheitswesen wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verstärken.»

In seinem Schlusswort knüpfte Raymond Keller, Präsident des Gewerbevereins Rheinfelden, hier an: «Qualifizierte Mitarbeiter bekommen wir nur, wenn wir sie selber ausbilden und ihnen eine Karriereplanung bieten.»

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