Einzig Spitzenleistungszähler gaben zu reden

| Sa, 13. Mai. 2017

Der Verwaltungsrat der Energie Oberes Fricktal AG, die vor rund einem Jahr ihren Betrieb startete, nutzte einen Informationsabend zum Austausch mit seinen Kunden. Dabei wurden auch kritische Stimmen laut, das Fazit bleibt aber positiv.

Daniela Leimgruber

Direkt im Vorfeld des Informationsabends fand die Generalversammlung der Energie Oberes Fricktal AG (EOF AG) statt. So konnte Geschäftsführer Michael Schraner den rund 70 an der Informationsveranstaltung Anwesenden den kurz zuvor genehmigten Geschäftsbericht jener Aktiengesellschaft präsentieren, die durch Zusammenschluss der Elektra-Genossenschaften Gipf-Oberfrick, Wölflinswil und Wittau sowie des Gemeindewerks Wittnau entstanden ist und die per 1. Januar 2016 ihren Betrieb aufgenommen hat.

Vier Energiewelten als Extrem-Szenarien

Florian Weiss, der für das beauftragte Treuhand-Unternehmen den Finanzbericht aufzeigen durfte, konnte den Anwesenden einen Jahresgewinn von rund 195 000 Franken präsentieren. Ein Grossteil davon kommt den vier Aktionären als Dividende zu Gute. Neben der finanziellen Bilanz sowie dem Rückblick und dem Ausblick des Geschäftsführers Michal Schraner, konnte der Verwaltungsrat Nadine Brauchli vom Verband Schweizerische Elektrizitätswerke als Referentin zum Thema Energiewelten gewinnen. Die erfahrene Fachfrau im Bereich Stromversorgung zeigte in einem komplexen Referat vier Extrem-Szenarien für die mögliche Stromversorgung im Jahr 2035 auf.

Die von vom VSE prognostizierten Herausforderungen liegen dabei hauptsächlich auf der Rentabilität der Wasserkraftwerke, in der Diskrepanz zwischen Sommer- und Winterverbrauch, in der Abhängigkeit von Nachbarländern und der Digitalisierung.

Einführung von Spitzenleistungszählern sorgte vereinzelt für rote Köpfe

In der abschliessenden Fragerunde hatten die Zuhörer die Möglichkeit sich mit Fragen an die Referentin, sowie an den Verwaltungsrat und den Geschäftsführer zu wenden. Auf 15 Minuten veranschlagt, dauerte der Austausch rund eine Stunde und zeigte auf, dass der Bevölkerung der Mitglieder-Gemeinden die eigene Stromversorgung am Herzen liegt und sie deren Bewirtschaftung kritisch hinterfragen. Hans Jörg Meier nahm sich gerne Zeit für die Beantwortung der Fragen: «Für die EOF AG ist es wichtig zu hören, ob und wie die Kunden hinter dem Angebot der Gesellschaft stehen.»

Zu diskutieren gaben neben den anstehenden Abstimmungen zur Energiestrategie 2050 sowie der Speicherung von Energie auch die Spitzenleistungszähler, welche von der EOF AG per Januar 2016 eingeführt wurden. Auf Nachfrage der NFZ erklärt Meier, dass die registrierende Leistungsmessung eingeführt wurde, um Kunden, die viel Strom brauchen dazu zu animieren, diesen besser auf den Tag verteilt zu nutzen. «In einem Privathaushalt achte ich auch darauf, dass ich nicht gleichzeitig den Backofen, die Waschmaschine, das Bügeleisen und noch den Fernseher benutze.», versucht der Präsident an einem Beispiel zu erklären.

Die EOF AG müsse den Netzbetrieb für Spitzenzeiten einzelner gewährleisten, auch wenn diese nur vereinzelt und für wenige Stunden im Monat bezogen werden. «Diese Kosten dürfen und wollen wir nicht auf alle Kunden abwälzen. Daher haben wir diesen Leistungstarif eingeführt.»

 

EOF AG liegen alle Kunden am Herzen

Für Isidor Schmid, Landwirt aus Gipf-Oberfrick, bedeutet dies nun rund Stromkosten von 600 Franken mehr im Jahr. Laut ihm ist es für einen Bauernbetrieb schwieriger den Strombezug gleichmässig auf den Tag zu verteilen, als dies in einem Privathaushalt oder einem KMU der Fall ist: «Wenn ich an einem Abend im Sommer das Heu reinbringen muss und meine Frau im Melchstall gleichzeitig die Kühe melken muss, sind wir schnell auf diesem Spitzenwert. Ich kann doch nicht warten, bis wir mit melken fertig sind – bis dann ist das Heu wieder feucht.»

Verwaltungsratspräsident Meier bietet an, diese Problematik bilateral zu lösen und betont im Gespräch mit der NFZ, dass der EOF AG alle ihre 3000 Kunden am Herzen liegen. Gerne nehme man sich Zeit die Kunden zu beraten und sie beispielsweise durch die Finanzierung eines Energieberaters zu unterstützen. Im vorliegenden Konflikt sieht er vor allem Handlungsbedarf in der Informationsweitergabe zwischen Produzent und Verbraucher. Aber schliesslich muss auch er sagen: «Allen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann.»

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