«Das Vorgehen des Verbandes ist unverständlich»

| Sa, 13. Mai. 2017

Eine Konzentration auf zwei Schulstandorte für Lehrlinge der Elektrobranche – dies wünscht sich der Verband der Aargauischen Elektro-Installationsfirmen. Das Berufsbildungszentrum Fricktal wäre der Verlierer. Fricktaler Grossräte beurteilen das Vorgehen des Verbandes unterschiedlich.

Von Valentin Zumsteg

Rund 260 Lehrlinge aus der Elektrobranche besuchen aktuell das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) in Rheinfelden. Wenn es nach dem Willen des Verbands der Aargauischen Elektro-Installationsfirmen geht, dann werden die Montage-Elektriker und die Elektroinstallateur-Lehrlinge künftig aber nur noch in Aarau und Brugg unterrichtet. Einen entsprechenden Beschluss hat der Verband kürzlich an seiner Generalversammlung gefällt (siehe NFZ vom Dienstag).

 

«Schule ist gefordert»

Der Verband kann allerdings nicht über die Schulstandorte entscheiden, das macht der Kanton. Trotzdem sorgt  das Resultat dieser Konsultativabstimmung für Diskussionen im Fricktal – auch bei den Grossrätinnen und Grossräten. «Das Vorgehen des Verbandes ist zum jetzigen Zeitpunkt unverständlich und nicht nachvollziehbar. Der Grosse Rat hat ja erst letztes Jahr entschieden und das Geschäft zurückgestellt. Ich frage mich, was hinter dieser Aktion steht», erklärt SP-Grossrätin Elisabeth Burgener aus Gipf-Oberfrick. Das Fricktal sei eine Region mit einem starken Wirtschaftswachstum. «Wir haben keine Mittelschulen; das BZF ist daher eine Selbstverständlichkeit. Politisch, so mein Eindruck, wird das momentan auch nicht in Frage gestellt.» Die Schule sei aber gefordert, regelmässig Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und so Werbung in eigener Sache zu machen, findet Burgener.  

Ähnlich sieht es der Rheinfelder SVP-Grossrat Daniel Vulliamy: «Ich erachte eine regionale Verteilung bei den Berufsschulen als zentrales Element. Der Verband hat ein falsches Zeichen gesetzt.» Aktuell gebe es keinen Handlungsbedarf. Die Politik solle «den Ball flachhalten», so Vulliamy. «Die regionale Lösung besteht unverändert weiter. Diese Abstimmung des Verbandes ist eine Luftblase, mehr nicht.»

 

«Schulvorstand verjüngen»

Eine andere Sichtweise hat Gertrud Häseli, Grossrätin der Grünen aus Wittnau: «Ich kann den Entscheid des Verbandes der Aargauischen Elektro-Installationsfirmen nachvollziehen. Ein „Kompetenzzentrum Elektro“ ist aus Sicht des Verbandes sicher ein Gewinn.» Jetzt sei die Innovationskraft der Verantwortlichen des BZF gefragt, findet Häseli. Kooperationen mit Betrieben aus der  Life Sciences-Branche im Fricktal erachtet sie als Lösungsansatz. «Politisch sehe ich wenig Handlungsmöglichkeiten. Das BZF hat seine Berechtigung, wenn der Betrieb gut läuft», sagt Häseli. Sie ist optimistisch für den Fortbestand der Schule und macht folgenden Vorschlag: «Aus meiner Sicht müsste der Schulvorstand verjüngt werden. Gemeindevertreter sollten durch Vertreter der Branchen ersetzt werden.»

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