Viel Kritik am Kies-Projekt

Di, 10. Apr. 2018

Stadtrat und Holcim informierten über ihre Pläne

Die Holcim AG will im Osten von Rheinfelden ein Kieswerk erstellen und ein neues Abbaugebiet erschliessen. Diese Pläne stossen auf Kritik, wie sich an einem Informationsabend zeigte.

Valentin Zumsteg

Der Aufmarsch war bescheiden: Nur rund 40 Bürgerinnen und Bürger besuchten am Donnerstagabend den Informationsanlass im Rheinfelder Kurbrunnen. Die Stadt und die Holcim AG präsentierten dort ihre Pläne für ein Kieswerk im Chleigrüt und ein neues Abbaugebiet im Grossgrüt.

Die Bürger entscheiden
Schon seit 2015 baut Holcim im Gebiet Untere Rütenen in Rheinfelden (bei der Landi) Kies ab. Heute wird das Material nach Eiken transportiert und dort weiter verarbeitet. Künftig soll dies in einem neuen Kieswerk im Chleigrüt geschehen (die NFZ berichtete). Die Investition in zweistelliger Millionenhöhe lohnt sich aus Sicht von Holcim aber nur, wenn mittelfristig auch im Gebiet Grossgrüt Kies abgebaut werden kann. Das Land im Grossgrüt, rund 20 Hektaren, gehört vier Grundeigentümern: der Einwohnergemeinde Rheinfelden, der Ortsbürgergemeinde, der Neumatt AG sowie dem Möhliner Landwirt Daniel Soder. Um sich den Kies zu sichern, will Holcim mit ihnen einen Dienstbarkeitsvertrag abschliessen. Über diesen können im Juni die Ortsbürgergemeinde und die Einwohnergemeinde entscheiden.

Nur wenn es dort grünes Licht gibt, wird das Projekt weiterverfolgt und die Detailplanung beginnt. In deren Verlauf können sich die Stimmbürger noch mehrmals zum Projekt äussern, denn es braucht eine Umzonung, einen Gestaltungsplan, eine Richtplan-Änderung und ein Baugesuch. Sagen die Ortsbürger oder die Einwohner im Juni aber Nein, ist die Sache erledigt und es wird nicht weiter geplant.

«Der richtige Zeitpunkt»
«Dies ist ein wichtiges und grosses Projekt für Rheinfelden», erklärte Franco Mazzi am Donnerstagabend. Der Stadtrat habe es am 12. März 2018 gutgeheissen. Im Hinblick auf den geplanten Wohnschwerpunkt beim Bahnhof Möhlin sei jetzt der richtige Zeitpunkt, das Projekt anzupacken, so Mazzi.

Aus Sicht von Ingo Steinberger, Leiter Rohstoffsicherung bei Holcim, ist es ökologisch sinnvoll, den Kies dort zu verarbeiten, wo er abgebaut werden kann: «Unser Ziel ist es, nach dem Kiesabbau das Land wieder so zurückzugeben, wie wir es angetroffen haben.»

Nach der ausführlichen Präsentation des Projekts folgte die Diskussion unter der Leitung von Moderator Adrian Kohler. Dort zeigte sich, dass die Pläne auf Kritik stossen. «Ich finde, dass der Stadtrat dem Erholungsraum zu wenig Sorge trägt», erklärte Jürg Keller. Er wies zudem daraufhin, dass ein Wildtierkorridor von kantonaler Bedeutung durch das vorgesehene Abbaugebiet führt. Kurt Steck, Stadtoberförster und Geschäftsführer der Ortsbürgergemeinde, erklärte dazu, dass der Wildtierkorridor nicht vergessen worden sei. Die Detailplanung müsse aufzeigen, wie dieser Korridor im Rahmen des Projektes aufgewertet werden könne.

«Ohne ersichtlichen Grund soll Gebiet geopfert werden»
Markus Klemm erinnerte daran, dass die Rheinfelder Bürgerinnen und Bürger das Gebiet Grossgrüt vor Jahren von der Industriezone in die Landwirtschaftszone umgezont haben. «Ohne ersichtlichen Grund soll dieses Gebiet jetzt geopfert werden», so Klemm. Ein Kiesabbau würde aus seiner Sicht das Landschaftsbild deutlich beeinträchtigen. Henri Leuzinger zeigte auf, dass es im Grossgrüt schon verschiedene Pläne gegeben hatte: Unter anderem war dort vor Jahren bereits einmal ein Kiesabbau vorgesehen, später gab es ein Golfplatz-Projekt. Bisher hätte sich Rheinfelden aber immer dafür entschieden, das Gebiet so zu belassen wie es heute ist. «Was hat sich jetzt geändert: die Politik oder die Verhältnisse?», wollte Leuzinger wissen. Die Vertreter der Stadt und von Holcim betonten, dass das Land nach einem allfälligen Kiesabbau wieder landwirtschaftlich genutzt werden soll.

Eine Bürgerin, Barbara Martens, äusserte grundsätzliche Kritik an Holcim und ihrem Geschäftsgebaren im Ausland. Sie zweifelte an, ob diese Firma für die Stadt der richtige Partner ist. «Wir können nur beurteilen, wie Holcim in der Schweiz arbeitet. Hier hält sie sich an alle Gesetze», sagte Mazzi. Man habe mit der Firma in Rheinfelden gute Erfahrungen gemacht. «Es ist für uns der richtige Partner».

«Mehr Chancen als Risiken»
Auf eine entsprechende Frage legte Mazzi nochmals dar, wie die Stadt finanziell profitieren würde: Die vier Grundeigentümer können mit einer jährlichen Entschädigung für den Kiesabbau von rund einer Million Franken rechnen, dies während zirka 20 Jahren. Auf die Einwohner- und die Ortsbürgergemeinde entfallen davon rund 400 000 Franken pro Jahr, so Mazzi. Zudem würden Ortsbürgerund Einwohnergemeinde jährlich einen sechsstelligen Betrag als Baurechtszins für das Kieswerk erhalten; der grösste Teil davon (zirka 85 Prozent) käme der Einwohnergemeinde zugute.

Abschliessend meinte Stadtoberförster Kurt Steck: «Ich bin überzeugt, dass das Projekt mehr Chancen als Risiken bietet. Wenn wir diese Chancen nicht wahrnehmen, dann ist der Kiesabbau im unteren Fricktal in einigen Jahren fertig und wir müssen den Kies aus dem Elsass oder aus Südbaden beziehen. Das ist ökologisch sicher weniger sinnvoll.» Ob dies die Ortsbürger und die Einwohner auch so sehen, wird sich an ihren Gemeindeversammlungen im Juni zeigen.

 

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Kommentare

Ich find wir brauchen in Rheinfelden vor allem eine intakte und unverbaute Natur. Das Kieswerk aber zerstört genau dies. Rheinfelden wächst mit Möhlin zusammen und das ganze Gebiet Rheinfelden Ost wird von Industrie, Absperrungen und Schwerverkehr gekennzeichnet sein. Und für was? Das bisschen Geld kann es nicht sein. Geht es um Interessen die wir nicht kennen?

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