«Ohne Swisslos-Gelder wären der Aargau und das Fricktal kulturell um vieles ärmer»

  18.03.2018 Fricktal

Millionen fliessen jährlich in die Aargauer Kultur – ein Teil ins Fricktal

Warum gelangen weniger finanzielle Mittel aus der Aargauer Kulturförderung ins Fricktal als in andere Regionen? Das Fricktal verfüge über weniger kulturelle Hochburgen als andere Aargauer Regionen, heisst es in Aarau. Dennoch geniesst auch die hiesige Bevölkerung ein breites kulturelles Angebot dank des Swisslos-Fonds.

Clara Rohr-Willers

Thomas Pauli-Gabi, Leiter der Abteilung Kultur des Departements «Bildung, Kultur und Sport» betont im Gespräch mit der NFZ die grosse Bedeutung der Swisslos-Gelder für die Aargauer Kultur.

Die Entstehung der Aargauer Kulturlandschaft
1803 wurden Landschaften unterschiedlicher historischer Herkunft auf Geheiss Napoleons zum neuen Kanton «Aargau» zusammengefügt. Für das organische Zusammenwachsen der unterschiedlichen Regionen waren massgeblich verschiedene Kulturgesellschaften verantwortlich. Schon früh entstanden im Aargau öffentliche Bibliotheken und Lesegesellschaften sowie kulturelle Vereine, die zum historisch begründeten Selbstverständnis des Aargaus als Kulturkanton beitrugen. Auch heute sind es im Aargau nicht urbane Zentren mit traditionsreichen und grossen Kulturhäusern, sondern Kleinstädte und vielseitige Vereine in den Regionen, welche die Aargauer Kulturlandschaft prägen. «Manche kulturellen Angebote basieren auf einem gut funktionierenden Freiwilligensystem», so die Verfasser des Aargauer Kulturkonzepts 2017– 2022. Viele Vereine engagieren sich für die Pflege der lebendigen Traditionen und spielen eine tragende Rolle für unser Zusammenleben. Gestützt werde «dieses vitale und vielfältige Kulturleben durch die Kulturförderung, deren stärkste Pfeiler das Aargauer Kuratorium, die Beiträge aus dem Swisslos-Fonds und die Beiträge an den Betrieb von Kultureinrichtungen von mindestens kantonaler Bedeutung sind.»

«Die für Kultur verwendeten Mittel aus dem Swisslos-Fonds schwanken jährlich»
Seit fünf Jahren spürt die Abteilung Kultur im Departement «Bildung, Kultur und Sport» die Sparmassnahmen des Kantons. Wie Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur, im Interview betonte, seien die Swisslos-Fonds-Gelder aus diesem Grund von besonderem Wert. «Der Umbau der Aarauer Alten Reithalle in ein multifunktionales Kulturhaus und die Sanierung des Badener Kurtheaters zum Beispiel wären ohne diese Gelder unmöglich», so Thomas Pauli. «Der Swisslos-Fonds ist ein separater, aus Gewinnspielen gespiesener Geldtopf und somit nicht von Sparübungen betroffen.»

Der Aargau erhält aus dem Swisslos-Fonds jährlich rund 30 Millionen Franken, die der Aargauer Regierungsrat für soziale und wissenschaftliche Projekte, Entwicklungshilfe, Umwelt- oder Kulturprojekte einsetzen kann. «Die für Kultur verwendeten Mittel aus dem Swisslos-Fonds schwanken von Jahr zu Jahr stark. Je nachdem wie sich die Projekte, insbesondere grosse Infrastrukturvorhaben, auf die einzelnen Jahre verteilen», so Thomas Pauli. Der Swisslos-Fonds-Beitrag an den Neubau des Lenzburger Stapferhauses zum Beispiel werde in mehreren Jahrestranchen ausbezahlt.

«Der Swisslos-Fonds ist reaktiv tätig»
Die Förderung durch den Swisslos-Fonds sei eine reine Projektförderung. «Der Swisslos-Fonds ist reaktiv tätig», sagt Thomas Pauli. Für jedes Quartal gebe es einen Sammelvortrag mit 50 bis 60 Anträgen, welcher der Regierung vorgelegt werde. «Wir können nichts steuern: weder eine Region noch eine Sparte», hält der Leiter der Abteilung Kultur fest. Zudem könne der Kanton in der Regel maximal 50 Prozent einer Finanzierung tragen.

Wie im Kulturkonzept des Kantons Aargau ersichtlich ist, werden mit dem Swisslos-Fonds kulturelle Projekte unterstützt, wenn sie von mindestens regionaler Bedeutung, gemeinnützig und nicht gewinnorientiert sind. «Abgesagt wird ein Viertel aller Anträge», schildert Thomas Pauli. Sowohl die Förderung einzelner Kulturschaffender als auch Unterstützungsbeiträge an den Betrieb von Einrichtungen seien ausgeschlossen. Dafür könne das Aargauer Kuratorium für die Förderung von Künstlerinnen und Künstlern finanzielle Beiträge sprechen. Institutionen von mindestens kantonaler Bedeutung können, auf regierungsrätlichen Beschluss, Beiträge aus der ordentlichen Rechnung erhalten.

373 000 Franken für kulturelle Projekte im Fricktal im Jahr 2017
«Der Einsatz von Geldern aus dem Swisslos-Fonds ist ein Abbild der Vitalität der Aargauer Kulturlandschaft», erklärt Thomas Pauli. «Im Fricktal hat es weniger kulturelle Hochburgen und Angebote als in Baden, Aarau oder Lenzburg», so der Leiter der Abteilung Kultur. Dennoch verfüge auch diese Region über kulturelle Highlights wie etwa das Solsberg-Festival, das Capriccio Barockorchester oder das Rehmann-Museum in Laufenburg.

Letztes Jahr wurden für kulturelle Projekte im Fricktal nur 2,7 Prozent, nämlich 373 000 Schweizer Franken, des Gesamtbetrags von 13 611 367 Schweizer Franken, gesprochen. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu geniessen. Einerseits sind gewisse antragstellende Organisationen für Fricktaler Projekte ausserhalb der Region ansässig. So zum Beispiel das Projekt «Flederhaus Wegenstetten», welches 2017 mit 400 000 Schweizer Franken unterstützt wurde und dessen antragstellende Organisationen in Aarau und Zürich sesshaft sind. Andererseits treten viele Orchester, Theater etc. in verschiedenen Aargauer Regionen auf. So kann ein Badener oder Aarauer Orchester auch das Fricktal mit Aufführungen bereichern.

Als Beispiel für die regional und quartalsweise unterschiedlichen Ausgaben nennt Thomas Pauli den angekündigten Antrag des Museums Schiff in Laufenburg für dessen umfangreiche Sanierung. Falls dieser Antrag angenommen werde, erhalte das Fricktal in den nächsten Jahren eine grosse finanzielle Unterstützung.

«Meiner Meinung nach ist dieses Museum mit überregionaler Bedeutung auch von der Kantonsseite förderungswürdig», betont Thomas Pauli. Für ihn zähle zudem eine breit abgestützte Finanzierung. Zur Eigenleistung des Antragsstellers komme die Mitfinanzierung durch Stiftungen, Mäzene und Sponsoren sowie durch die Standortgemeinde hinzu.


Swisslos-Fonds-Beitrag beantragen

Aus dem Swisslos-Fonds können gemeinnützige oder wohltätige Vorhaben in den Bereichen Kultur und Bildung unterstützt werden. Die finanzielle Unterstützung kann in Form von Beiträgen, Defizitgarantien und zinslosen oder verzinslichen Darlehen erfolgen. Beiträge an den Erwerb, die Erstellung, die Erneuerung und die Erweiterung von Sachanlagen (Immobilien und Infrastruktur) sowie an Gebäudemieten (für höchstens fünf Jahre im Sinne einer Anschubfinanzierung) sind möglich, wenn sie für gemeinnützige oder wohltätige Zwecke erforderlich sind. Swisslos-Fonds-Beiträge können für Vorhaben ausgerichtet werden, die gemeinnützigen oder wohltätigen Zwecken dienen, im Kanton Aargau von mindestens regionaler Bedeutung sind, eine möglichst breit abgestützte Finanzierung durch die interessierten Kreise und angemessene Eigenleistungen aufweisen, die den Fortbestand des unterstützten Vorhabens sichern und nicht im Kernbereich der öffentlichen Aufgaben liegen.

www.ag.ch/kultur


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