«Ich bin eigentlich ein Angsthase»

| Fr, 10. Nov. 2017

Als Ausgleich zu ihrer Arbeit als Intensivpflege-Fachperson im Ambulanzjet der Rega schätzt Sarah Schröder aus Gipf-Oberfrick das Segelfliegen. Oder sie klettert auf einen Gipfel. Hauptsache, sie darf die Welt von ganz oben anschauen.

Von Janine Tschopp

Dieser Tag gehört zu einem der Schönsten, die er in den letzten Jahren erlebt hatte. Er erhielt den Flug von seinem Sohn auf seinen 93. Geburtstag geschenkt. Als er noch jung war, sass er selber am Steuer des Segelflugzeugs. Heute ist er froh, dass die junge Frau seine Pilotin ist. Es ist wirklich ein wunderbares Geburtstagsgeschenk. Sie drehen sogar noch einen Looping. Was für ein Glücksgefühl. Der 93-jährige Mann hat eine grosse Freude und bedankt sich nach dem Flug mit einem Handkuss bei der Pilotin.

Auch Sarah Schröder, die Pilotin, erinnert sich gerne an den Passagierflug, den sie kürzlich mit dem älteren Herrn unternommen hat. «Es hat mich emotional berührt, dass ich mit dem Flug so grosse Freude bereiten konnte.» Vor sieben Jahren erlangte die 31-Jährige die Lizenz zum Segelfliegen, ein Jahr später das Kunstflugbrevet. Die Lust aufs Segelfliegen kam bei ihr anlässlich eines Schnupperkurses. «Den Schnupperkurs habe ich damals in den Ferien absolviert, als ich aufgrund eines gerissenen Kreuzbandes nur bedingt Sport treiben durfte. Denn Ferien ohne Sport gehen eigentlich gar nicht», erklärt Sarah Schröder.

Aufgewachsen in Glattbrugg besuchte sie zusammen mit ihrer Familie als kleines Mädchen oftmals den Flughafen in Zürich und war damals schon fasziniert vom Fliegen. Bevor sie mit Segelfliegen begann, absolvierte sie einen Schnupper- und Passagierflug im Gleitschirmfliegen. Ursprünglich wollte sie eine Gleitschirm-Ausbildung absolvieren. Durch ihren Freund wurde sie damals aufs Segelfliegen aufmerksam. Ihr Umfeld motivierte sie, sich ebenfalls fürs Segelfliegen zu entscheiden. Auch mit dem Argument, Segelfliegen sei sicherer als Gleitschirmfliegen.

«Ich geniesse es, von oben auf die Welt zu schauen»

Nicht nur beim Segelfliegen oder beim Kunstfliegen, sondern auch bei ihren anderen Hobbys ist Sarah Schröder gerne weit über dem Boden. So gehören neben dem Fliegen auch Klettern sowie Hoch- und Skitouren zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. «Ich geniesse es von oben hinunter auf die Welt zu schauen.» Am stärksten sei das Glückgefühl, wenn sie ganz oben auf dem Gipfel eines Berges stehe, denn dann wird sie mit einer wunderbaren Weitsicht für den anstrengenden Aufstieg belohnt. So war ihr Geschenk zum 30. Geburtstag die Überschreitung des Piz Bernina via Biancograt zusammen mit einem Bergführer.

Obwohl das Ausüben all ihrer liebsten Freizeitbeschäftigungen ein gewisses Risiko birgt sagt Sarah Schröder: «Ich bin eigentlich ein Angsthase und suche das Risiko nicht.» Warum Segelfliegen sicherer als Motorfliegen sei begründet sie etwas schmunzelnd: «Beim Segelfliegen kann kein Motor kaputt gehen.» Dann wird sie wieder ganz ernst und erklärt: «Bei all diesen Tätigkeiten kommt es darauf an, wie man sie ausübt. Wenn ich beispielsweise auf eine Skitour gehe, bereite ich mich sehr sorgfältig darauf vor.» Auch beim Fliegen versucht sie das Risiko so gering wie möglich zu halten: «Wenn ich während zwei, drei Monaten nicht geflogen bin, fliege ich zuerst wieder mit jemandem mit, der viel Erfahrung hat, bevor ich mich alleine ins Flugzeug setze. Die Sicherheit ist mir sehr wichtig.»

Auch beruflich viel in der Luft

Nach der obligatorischen Schulzeit absolvierte Sarah Schröder eine Lehre als Kaufmännische Angestellte in Zürich. Später zog sie nach Chur und wurde dort zur Pflegefachfrau ausgebildet. Danach schloss sie das Nachdiplomstudium als diplomierte Expertin Intensivpflege ab und arbeitete insgesamt während fast fünf Jahren auf der Intensivstation im Spital in Chur. «In dieser Zeit habe ich oftmals erfahren, wie schnell sich das ganze Leben verändern kann.» Seit März 2016 ist Sarah Schröder als Flight Nurse (Intensivpflege-Fachperson) bei der Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) angestellt. Sie hat Einsätze rund um die Welt. Zusammen mit zwei Piloten und einem Arzt fliegt sie in ferne Länder und holt die verunglückte oder erkrankte Person in die Heimat. Der Arzt und sie sind dafür besorgt, dass der Patient auf dem Weg in die Schweiz optimal medizinisch versorgt ist. Zu den Aufgaben der Flight Nurse gehören nebst der medizinschen und psychologischen Betreuung des Patienten und der Angehörigen auch das Catering. Auch verschiedene administrative Arbeiten sowie das Kontrollieren und Auffüllen der nötigen Materialien des Ambulanzjets sind Aufgaben, die Sarah Schröder zu erledigen hat.

Wenn sie Dienst hat, muss sie innerhalb von ein bis zwei Stunden nach dem Aufgebot im Rega-Center am Flughafen in Zürich eintreffen. Eineinhalb Stunden später startet der Ambulanzjet. Vor dem «Take off» findet im Rega-Center eine medizinische Vorbesprechung sowie ein Briefing mit der Einsatzleitung, den Piloten und dem medizinischen Team statt. Anschliessend wird das Flugzeug gepackt und kontrolliert, ob alle nötigen Materialien an Bord sind. Sarah Schröder hatte schon zahlreiche Einsätze in Europa, aber auch schon in Neuseeeland, Thailand, Florida, Niger, Mexiko, Indien und vielen Ländern mehr. Speziell an ihrer Tätigkeit ist, dass sie an Diensttagen «aus dem nichts hinaus» ein Aufgebot erhält und wenige Stunden später für ein paar Tage am anderen Ende der Welt ist.

Seit Anfang 2016 wohnt sie mit ihrem Freund in Gipf-Oberfrick. «Das ist etwa die Mitte zwischen meinem Arbeitsort in Zürich, und dem Arbeitsort meines Partners in Basel.» Sie geniesst die Nähe zur Natur und fühlt sich wohl in Gipf-Oberfrick. Das Einzige, was sie vermisst, sind die Berge.

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