«Es war ein emotionaler Moment»

| Do, 12. Okt. 2017

Ein «Happy Day» war es für Roland Nussbaum und Martin Hächler, als die 124 Milchkühe nach sieben Monaten im Exil wieder auf den Hof in Densbüren zurückkehrten.

von Bernadette Zaniolo

«Es war ein unbeschreiblich schöner, emotionaler Moment, als die erste Kuh die Nase aus dem Lastwagen steckte». So beschreiben Roland Nussbaum und Martin Hächler ihre Gefühle, als die 124 Milchkühe der Betriebsgemeinschaft Synfarms nach dem Brand wieder auf den «Aemethof» in Densbüren zurückkehrten. Sieben Monate lebten die Tiere in Chur im Exil (die NFZ berichtete). Obwohl auf dem «Aemethof» seit dem Brand die «Uhren nicht stillstanden», sondern die Männer von morgens bis abends mit Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten beschäftigt waren, «haben wir oft an die Tiere gedacht. Sie haben uns gefehlt», sagt Roland Nussbaum. «Wenn man täglich, wie wir, um so viele Tiere war, so vermisst man sie», ergänzt Martin Hächler voller Freude.

 

Ein Heimkommen

Und auch für die Kühe war es offenbar ein freudiger Moment, «ein Heimkommen», wie Nussbaum sagt. Denn die Tiere hatten offensichtlich nicht vergessen, wo es zu den Melkrobotern geht. Da sich der Eingang zu diesen nach dem Wiederaufbau der Stallungen und Scheune auf der anderen Seite befindet, brauchten die Kühe fast eine Woche, bis sie sich daran gewöhnt hatten. «Die Kuh vergisst nicht viel. Sie ist ein Gewohnheitstier», sagt Nussbaum zur NFZ. «Wenn sie blöder wären als wir Menschen, würden sie das nicht so machen.» Diese Ansicht vertreten gemäss Nussbaum einige Bauern.

Ebenso wie den freudigen Moment, als die Kühe und Kälber am 12. September wieder auf den «Aemethof» zurück kamen, werden aber Nussbaum und Hächler, die bei der «Synfarms» für das Milchvieh zuständig sind, den 24. Februar nicht vergessen. «Ich wäre am liebsten vom Dampfer gesprungen», sagte Roland Nussbaum damals zur NFZ. Denn in jenem Zeitpunkt als die 170 Milchkühe und Kälber durch den Brand obdachlos wurden, war der Besitzer des «Aemethof» in den Ferien in der Dominikanischen Republik und befand sich im Zeitpunkt der traurigen Nachricht auf einer Kreuzfahrt.

Gemäss den Ermittlern sei die Brandursache ein technischer Defekt, wo genau ist unklar. Die von der Aargauischen Gebäudeversicherung ermittelte Schadensumme liegt gemäss Roland Nussbaum bei zirka 2,2 Millionen Franken. Denn nicht nur Stall und Scheune wurden vom Feuer völlig zerstört, sondern auch das «Hirn und Herz» der Technik, unter anderem jener der vollautomatischen Fütterungsanlage. Auch die 520 Quadratmeter grosse Fotovoltaik-Anlage der Energieversorgerin IBAarau auf dem Scheunen- und Stalldach wurde durch den Brand zerstört.

 

Grosse Solidarität

Obwohl die letzten sieben Monate den betroffenen Bauernfamilien an die Substanz ging, berichten Nussbaum und Hächler auch von Schönem. So etwa über die grosse Solidarität seitens der Bauern aber auch der Dorfbevölkerung. Aber auch die Versicherungen und Behörden seien sehr kooperativ gewesen. Und dank dessen, dass auf dem «Aemethof» schon viel gebaut wurde und meistens die gleichen Handwerker berücksichtigt werden konnten, klappte es auch, dass die Kühe fast auf den Wunschtermin (Ende August) von Roland Nussbaum zurückkehren konnten.

 

Der beste Platz gebührt den Kälbern

«Es hat alles gestimmt», freut sich Nussbaum. Besonders freut die beiden für das Milchvieh Zuständigen, dass die Arbeitsabläufe in den neuen Stallungen weiter optimiert werden konnten, unter anderem durch eine noch modernere, automatische Fütterungsanlage. Stolz ist man, dass die Kälber jetzt den besten Platz in den Stallungen haben, auf der Südseite, wo ihr «Gedeihen» auch besser beobachtet werden kann. Obwohl bei Nussbaum und Hächler die Freude sichtbar ist, dass wieder langsam Normalbetrieb herrscht, verfehlt Nussbaum nicht, dass er froh war, dass man «ein bisschen Geld auf dem Konto hatte und viele Eigenleistungen erbringen konnte». Er betont jedoch, dass man auch mit der Bank ein gutes Einvernehmen hatte. Froh ist man auf dem «Aemethof» zudem, dass es problemlos klappte, dass man nach dem Brand die Bewilligung für die temporäre Zufuhr von Gülle erhielt. Denn sonst hätte die Bio-Gasanlage zur Stromerzeugung nicht weiter betrieben werden können. Diese blieb vom Brand verschont, ebenso die Stallungen, in welchen die Schweine (zwischen 60 bis 90 Tiere) untergebracht sind. Die IBAarau hat auf dem Scheunendach des «Aemethof» auch wieder eine Photovoltaikanlage errichtet.

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