Abschottung ist keine Option

| Do, 07. Sep. 2017

Nationalismus und Populismus sind in Europa auf dem Vormarsch. Was bedeutet das für die Schweiz? Das Wirtschaftstreffen der FDP Laufenburg und Rheinfelden beschäftigte sich mit dem Thema «Globale Vernetzung – Fluch oder Segen?».

Von Valentin Zumsteg

Seit 25 Jahren gibt es das Wirtschaftstreffen der FDP der Bezirke Laufenburg und Rheinfelden. «Am Anfang war es vor allem ein Parteianlass, bei dem es um Parolen ging. Später haben wir uns für andere Themen geöffnet», erklärte Christoph von Büren, Präsident der FDP Rheinfelden, zum Jubiläum. Namhafte Politiker und Unternehmer haben in den vergangenen Jahren anlässlich des Wirtschaftstreffens referiert und diskutiert. «Es ist spannend zu sehen, welche Themen jeweils aktuell werden», so von Büren.

 

«Eine Randstadt»

Zum diesjährigen Wirtschaftstreffen versammelten sich am Montagabend knapp 60 Interessierte im Hotel Schützen in Rheinfelden. Zu den Gästen zählten unter anderem alt Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer sowie alt Regierungsrat Peter Beyeler. Das Thema der Veranstaltung, die von Gaby Gerber moderiert wurde, lautete «Globale Vernetzung – Fluch oder Segen?». Dass die Region Basel schon seit langem grenzüberschreitend vernetzt ist, zeigte Kathrin Amacker, Präsidentin des Vereins Regio Basiliensis, auf: «Seit Jahrhunderten bestehen enge kulturelle, familiäre und wirtschaftliche Beziehungen über den Rhein hinweg. Im Mittelalter gab es einen elsässischen Städtebund, zu dem auch Basel gehörte. Man hatte sogar eine gemeinsame Währung.» Die beiden Weltkriege kappten für viele Jahre die guten Verbindungen. «Vor 1914 war Basel das Zentrum einer grossen Region. Seit 1914 ist Basel eine Randstadt. Das ist umso schlimmer für Basel, weil die Stadt traditionell mit dem Rücken zur Eidgenossenschaft stand.»

Seit 1963 existiert der Verein Regio Basiliensis, der die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördert. «Mit konkreten gemeinsamen Projekten können Beziehungen über die Grenzen hinweg geschaffen werden», betonte Amacker. Der sich ausbreitende Nationalismus und Populismus in Europa und der Welt bereiten ihr Sorgen. Auch die Masseneinwanderungsinitiative sei nicht hilfreich. «Die Schliessung der Grenzen in Europa und am trinationalen Oberrhein ist aus meiner Sicht keine Option. Die Basis der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Austauschs würde zerstört», erklärte Amacker. Nur mit einer Kooperation über die Grenzen könnten unsere Region und die Schweiz wirtschaftlich und kulturell prosperieren.

 

Ein positives Zukunftsbild

Das sieht auch Peter Grünenfelder so, der zweite Referent des Abends. Der ehemalige aargauische Staatsschreiber und heutige Direktor von «Avenir Suisse» plädierte für Öffnung und Liberalisierung. Die Schweiz sei wirtschaftlich zwar in vielen Bereichen spitze, doch die gute Position drohe verloren zu gehen. Er sprach von Fachkräftemangel, protektionistischen Strömungen und einer ausufernden Vorschriftendichte. «Die Produktivität ist im internationalen Vergleich ungenügend.»

Grünenfelder sieht einen grossen Reformbedarf. Er fordert beispielsweise eine Individualbesteuerung von Ehepaaren, eine Reduktion der Progression auf Zweiteinkommen und die Schaffung von Ganztagesschulen und Betreuungsangeboten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen. Auch der Staatssektor mit Swisscom und Energiefirmen solle liberalisiert werden. «Wir müssen Dinge tun, die bisher noch nicht getan worden sind», so Grünenfelder. Dies gelinge aber nur, wenn der Bevölkerung ein positives Zukunftsbild vermittelt werden könne. Hier seien nicht nur die Politiker, sondern auch die Unternehmer gefragt.

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