Anno 1798

Möhlin entscheidet, das Tal bangt

| Do, 15. Jun. 2017

Es ist eine aussergewöhnliche Situation vor der Möhliner Gemeindeversammlung am 22. Juni. Der Gemeinderat will den Schulkreisvertrag mit den Talgemeinden kündigen. «Das verstehe ich nicht», sagt der Präsident der Schulpflege Wegenstetten-Hellikon – und hofft auf ein Veto der Stimmbürger aus Möhlin.

Von Ronny Wittenwiler

An der Gemeindeversammlung (22. Juni) könnten die Möhliner das Ende des Schulkreisvertrags Möhlintal besiegeln. Ob es gleichzeitig das Ende der Bildungs-Kooperation mit dem Tal sein würde, bleibt dahingestellt. «Es handelt sich um eine vorsorgliche Kündigung», zitierte die NFZ den Möhliner Gemeinderat vor rund zwei Wochen. Ebendiese Kündigung, so nochmals der Gemeinderat Möhlin, verschaffe sämtlichen Vertragsparteien Zeit und Handlungsfreiheit, gemeinsam die Zukunft der Oberstufe Möhlintal zu planen. «Ich verstehe dieses Vorgehen nicht», sagt jetzt aber der Präsident der Schulpflege Wegenstetten-Hellikon, Stephan Hasler. «Innerhalb des Tals existiert auf verschiedenen Ebenen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Existieren Probleme und neue Herausforderungen, sucht man unter Partnern eine gemeinsame Lösung und kündigt nicht einfach einseitig einen Vertrag.»

«Wir wollen niemanden angreifen»
Auch bei den Schulpflegen Zeiningen und Zuzgen herrscht keine Euphorie über das Ansinnen des Möhliner Gemeinderats, wie eine Stellungnahme aller Schulpflegen im Tal deutlich macht. Das Papier ist ein deutlicher Appell an die Möhliner, die beantragte Kündigung abzulehnen. «Wir wollen niemanden angreifen», sagt Schulpfleger Hasler. Er hoffe aber, der Gemeinderat werde beauftragt, «partnerschaftlich mit den Talgemeinden eine nachhaltige Lösung zu suchen, damit die beiden Oberstufenstandorte Möhlin und Wegenstetten weiterhin zusammenarbeiten können.» Es sei nun mal ein Geben und ein Nehmen, sagt Hasler. «Ausserdem schickt nicht nur Möhlin Schüler auswärts zur Schule – die Talgemeinden lassen alle ihre Schüler der Real- und Bezirksschule in Möhlin unterrichten.»

Kritik an den Argumenten
Möhlin könne nicht damit argumentieren, dass der Kanton nur noch vier Oberstufenstandorte im Fricktal vorschreibt, halten die Schulpflegen aus dem Tal fest: Der Kanton mache keine Vorschriften, es liege an den Gemeinden, eine optimale Lösung, welche die Nutzung bestehender Gebäude einschliesst, zu erarbeiten. «Der Kanton verlangt in keinem Fall die Schliessung des Standorts Wegenstetten.» Fakt ist aber: Ohne Schüler aus Möhlin könnte Wegenstetten die vom Kanton verlangte Mindestanzahl von sechs Oberstufenabteilungen nicht mehr garantieren – das würde das Ende der eigenständigen Sekundarschule bedeuten.

Den Überlegungen aus Möhlin, nach Vertragskündigung Wegenstetten eventuell selber als Aussenstandort der Schule Möhlin betreiben zu wollen, stehen die Schulpflegen aus dem Tal kritisch gegenüber. Nochmals Hasler: «Ob und mit wie vielen Abteilungen Wegenstetten eventuell als Nebenstandort der Schule Möhlin weiterhin existieren würde, wird zuerst in der Möhliner Arbeitsgruppe Schulraumplanung diskutiert und schliesslich in einem politischen Prozess entschieden. Die damit einhergehende Unsicherheit könnte in Wegenstetten zu Kündigungen bewährter Lehrkräfte führen und bedeutet lediglich eine unnötige Unruhe zulasten unserer Kinder.»

Für die Schulpflegen aus dem Wegenstettertal ist somit klar: Eine Möhliner Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt sei überstürzt, könne doch der bestehende Vertrag ohne weiteres auch neuen Bedürfnissen angepasst werden. Die Situation ist aussergewöhnlich: Möhliner Schulpflege und Gemeinderat wollen den Vertrag kündigen. Und aus dem Tal kommt der Appell, gerade das nicht zu tun. Das letzte Wort hat das Volk.

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