«Ich habe gelernt, was wirklich wichtig ist im Leben»

| So, 08. Jan. 2017

Die Fricktalerin Daniela Leimgruber (26) hat die letzten sieben Monate in Kambodscha gelebt und in einem Heim Menschen mit einer Beeinträchtigung unterstützt. Sie schildert im Interview ihre beeindruckenden Lebenserfahrungen.

Von Walter Herzog

NFZ: Daniela, wie schwierig war es, sich in Kambodscha zurecht zu finden?

Mein Herz fühlte sich vom ersten Tag an diesem Ort Zuhause. Die Jesuiten, die anderen Volontäre und auch die Schüler und Lehrer vor Ort empfingen mich so herzlich, dass mir das Ankommen sehr leicht fiel. Mein Körper brauchte da etwas länger. Die ersten zwei Monate machten mir das tropisch-feuchte Klima (und das konstante Schwitzen) und vor allem die vielen Moskitos zu schaffen. Das Leben in Kambodscha, speziell als Ausländerin, ist nicht einfach. Aber ich konnte zu jeder Zeit auf die Unterstützung meines Umfelds aber auch auf die herzlich offenen und hilfsbereiten Kambodschaner zählen. Und natürlich fiel ich als weisse Europäerin immer und überall auf. Meistens war das kein Problem für mich, da dies jeweils mit sehr viel Herzlichkeit verbunden war. Manchmal wünschte ich mir jedoch schon, einfach mal durch die Strasse zu laufen, ohne mich beobachtet zu fühlen und immer wieder angesprochen zu werden.

 

Wie siehst Du Deine Heimat, das Fricktal und unsere westliche Welt nach dieser bestimmt unvergesslichen Zeit?

Mit gemischten Gefühlen. Zum einen habe ich gemerkt, wie sehr mir meine Heimat am Herzen liegt und dass ich halt einfach eine «Fricktalerin» durch und durch bin. Ich kann es mir nicht vorstellen für immer von Zuhause weg zu sein. Zum anderen hat mich natürlich der krasse Unterschied bezüglich Lebensstandard Zuhause und hier zum Nachdenken angeregt. Hier haben Menschen vergleichsweise wenig zum Leben und dennoch teilen sie alles, heissen jeden und jede willkommen. In der Schweiz – dem reichsten Land der Welt - mit so vielen finanziellen Mitteln und gesellschaftlichen Ressourcen, nerven sich derweil Menschen darüber, wenn Geld für «Fremde» ausgegeben wird, wehren sich gegen das Unterbringen von Flüchtlingen, diskriminieren Menschen mit einer anderen Hautfarbe, und und und… Solche egoistischen Denkweisen machen mich wütend. Ich sehne mich nach einer ähnlichen Willkommenskultur in der Schweiz, wie ich sie hier in Kambodscha vorgefunden habe.

Ganzes Interview in der NFZ-Printausgabe vom Freitag.

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