Leserbrief: PID - die Risiken überwiegen

| Do, 04. Jun. 2015

Von Timo Rager, Herznach

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) sei etabliert und zeitgemäss, so ist im Zusammenhang mit der Abstimmung vom 14. Juni verschiedentlich zu lesen.

 

Der Technikoptimismus, der darin zum Ausdruck kommt, steht in seltsamem Widerspruch zu den weit verbreiteten Forderung nach mehr Naturnähe. Ausgerechnet dort, wo die Technik das Leben eines Menschen im Kern beeinflussen kann, soll sie mehr Freiraum erhalten?

Mindestens zwei Dinge wären zu hinterfragen. Erstens: Welche neuen gesundheitlichen Risiken ergeben sich aus der Fortpflanzungsmedizin? Ist es wirklich so harmlos, einen Embryo in künstlichen Nährlösungen zu handhaben oder einen Teil seines Körpers für Testzwecke abzutrennen? Viele Faktoren, die es für eine gesunde Entwicklung braucht, sind zweifellos noch völlig unbekannt. Die unerwartet frühe Erkrankung des Klonschafes Dolly an typischen Alterserscheinungen weist darauf hin, wie wenig die Fortpflanzungsbiologen tatsächlich wissen.

Zweitens: Welcher Anteil an Erkrankungen lässt sich durch PID vermeiden, und wie gehen wir mit all den Behinderungen um, die weiterhin auftreten? Es erscheint plausibel, dass der Respekt vor «minderwertigem» Leben weiter abnehmen wird, wenn man sich an eugenische Massnahmen am Lebensanfang erst einmal gewöhnt hat. Der moralische Dammbruch ist absehbar. Wehren wir also den Anfängen, auch wenn viele Länder um uns herum anders entscheiden!

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