Die Masche mit dem geheimen Konto
10.05.2012 Brennpunkt, Kriminalität, Gewerbe, Wirtschaft, Möhlin, FrickGrosse Renditeversprechen locken grosse Summen an. Bei der ASE Investment AG, gegen deren Verantwortliche eine Strafuntersuchung läuft, mussten die Anleger offenbar mindestens 100 000 Franken investieren. Viele haben im Laufe der Jahre ihre Einlagen erhöht (die NFZ berichtete). Zu ihnen gehört ein Unternehmer aus dem Luzernischen, der in der Zeitung nicht namentlich genannt werden will. 2008 ist er von seinem Versicherungsbroker, den er seit vielen Jahren kennt und dem er vertraute, auf die ASE Investment AG aufmerksam gemacht worden. «Er hat sie empfohlen», erklärt der 45-jährige Luzerner.
In einem ersten Schritt hat er 100 000 Franken angelegt, später erhöhte er auf 900 000 Franken. «Es ging mir vor allem um den Vermögenserhalt», schildert er. Auf seinen Namen wurden bei der Basler Kantonalbank (BKB) Konten für Schweizer Franken, Yen, Euro und US-Dollar eröffnet, wie er erzählt. Die Korrespondenzadresse war die ASE Investment AG in Frick. Regelmässig auf jedes Quartalsende bekam er Auszüge von der ASE. Für das Jahr 2010 wurde ihm eine Rendite von 9,3 Prozent ausgewiesen, für 2011 sogar 13,18 Prozent. Das Geld war angeblich im Devisenhandel erwirtschaftet worden.
Soweit war für den Unternehmer alles in Ordnung. Wie er aber jetzt herausgefunden hat, lief auf seinen Namen ein weiteres Konto und zwar in Kanada-Dollar. Dieses war immer um den gleichen Betrag im Minus, wie die anderen Konten im Plus standen. Unter dem Strich hat er also kein Vermögen bei der BKB. Die von ihm einbezahlten 900 000 Franken sind von den Verantwortlichen der ASE abgezogen worden, vermutet er.
«Ich habe dieses Konto für Kanada-Dollar nicht selber eröffnet. Ich hatte bis vor kurzem überhaupt keine Kenntnis von diesem Konto. Ich möchte von der BKB wissen, mit welcher Unterschrift das Konto eröffnet wurde.» Er hat in dieser Sache einen Anwalt eingeschaltet. Der Luzerner geht davon aus, dass das ganze Konstrukt von Beginn weg mit betrügerischen Absichten geplant worden ist. «Ich bin extrem sauer auf die Basler Kantonalbank. Sie war für mich immer der Inbegriff der Seriosität.» Er begreift nicht, dass es bei der BKB kein Warnsystem gab.
Die Basler Kantonalbank hat gemäss Medienberichten am vergangenen Freitag den Vizechef des Private-Bankings in Zürich beurlaubt. Er war offenbar der für die ASE Investment AG zuständige Kundenberater. «Ich hoffe, dass die Bank eingesteht, dass sie Fehler gemacht hat», erklärt der Unternehmer aus Luzern, der sich am Geschädigten-Pool beteiligen wird. Und natürlich hofft er, dass er sein Geld wieder zurückbekommt.

