«Wir haben Angst um unser Geld»
03.05.2012 Aargau, Kriminalität, Brennpunkt, Nordwestschweiz, Finanzen, Möhlin250 000 Franken sind viel Geld – vor allem, wenn man dafür arbeiten musste. Diesen Betrag hat ein älteres Ehepaar aus dem unteren Frickal seit 2007 bei der ASE Investment AG, die Büros in Frick hat, angelegt. Ob sie es wiedersehen werden, ist ungewiss. «Wir haben Angst um unser Geld», erklärt der Ehemann. Die Staatsanwaltschaft Aargau hat ein Verfahren wegen Urkundenfälschung und weiterer Vermögensdelikte gegen zwei Verantwortliche der ASE eröffnet. Auch die eidgenössische Finanzmarktaufsicht ist aktiv geworden. Rund 500 Kunden der Firma bangen um ihr Erspartes (die NFZ berichtete). Die mögliche Deliktsumme dürfte sich auf einen hohen mehrstelligen Millionenbetrag belaufen.
«Unser Vermögensverwalter, den wir seit über 30 Jahren kennen, war voller Enthusiasmus», erzählt der Mann. Er empfahl ihnen eine Anlage bei dieser Firma. Sie selber hatten zuvor noch nie von der ASE gehört. Angefangen hat das Ehepaar mit einer Einlage von 100 000 Franken, später wurde erhöht. «Wir dachten, wir kommen dann in eine höhere Liga bei der ASE.» In den Vermögensverwalter aus Möhlin hatten sie volles Vertrauen. Sie haben auch die ASE in Frick besucht. «Wir hatten das Gefühl, dass sind rechte Leute. Alles schien in Ordnung und machte einen guten Eindruck.» Zweifel kommen erst jetzt: «Wir hätten stutzig werden sollen bei der in Aussicht gestellten Rendite», gibt der Mann zu. Auf der Webseite ist von einem Ertragsziel von über 12 Prozent pro Jahr die Rede.
Das Fricktaler Ehepaar hofft, dass es das Geld zurückerhält. «Wir haben ein Leben lang gearbeitet und unsere dritte Säule bei der ASE angelegt. Es würde uns weh tun, wenn das Geld weg wäre», erklären sie. Diese Woche hatten sie Kontakt mit einem Vertreter der Basler Kantonalbank, welche eine der Depotbanken der ASE Investment AG war. «Er machte uns Hoffnung. Die Bank setze alle Hebel in Bewegung. Sie fürchtet um ihren Ruf», erzählt der Mann. Die Basler Kantonalbank hat eine unabhängige Untersuchung angekündigt.
Der Vermögensverwalter des Ehepaars will mit acht weiteren Vermittlern und ihren Kunden einen Geschädigten-Pool bilden. Insgesamt betreuten die neun Vermittler rund 260 Kunden der ASE, also etwa die Hälfte von allen involvierten Anlegern. «Die Organe der ASE Investment AG haben widerrechtlich, ohne Wissen und Willen der Geschädigten und in krimineller Weise Transaktionen über die Kontoverbindung der Geschädigten ausgeführt. Die entsprechenden Transaktionen haben sie gegenüber den Geschädigten durch Zustellung gefälschter Bankbelege verheimlicht», halten die neun Vermittler fest. Bitter: Zur Finanzierung der Kosten des Geschädigtenpools soll jeder Geschädigte einen ersten Kostenvorschuss von 500 Franken leisten.
Zweifel an der Seriosität der ASE Investment AG gab es schon seit Jahren. Ein Fricktaler Vermögensverwalter hat im Januar 2010 einem Kunden empfohlen, sein Geld von der ASE Investment AG zurückzuziehen. «Das Reporting der Depotbank stimmte nicht mit den Zahlen der ASE überein. Es haben Einzahlungen stattgefunden, welche nicht vom Kunden veranlasst wurden.» Als die Verantwortlichen der ASE merkten, dass der Kunde kritische Fragen stellt, reagierten sie pikiert. Heute ist dieser Kunde froh, dass er sein Geld rechtzeitig zurückbekommen hat.
Bei der ganzen Geschichte stellt sich wahrscheinlich auch die Frage, wie stark die Vermittler in den vergangenen Jahren von den Geschäften mit der ASE profitiert haben.
